Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1164985
124 
Buch III. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Leonardo. 
162. 
scheinen liesse. Der bekannte zarte Typus seines weiblichen 
Idealkopfes, von schmalem Kinn und mit jenem anmuthvollen 
Lächeln, welches hie und da selbst an den Ausdruck des 
Buhlerischen streift, ist hier schon etwas manierirt wieder-- 
gegeben, während derselbe im Originalcarton rein, ursprüng- 
lich und mit seelenvollem Adel zu Tage tritt. 
3_ Ein zweiter grösserer Carton, den Leonardo in Florenz 
arbeitete und der wiederum als eins der höchsten Meister- 
werke neuerer Kunst geschildert wird, hat das Schicksal sei- 
ner Bronzestatue und seines Abendmahls getheilt. Diesen 
Carton fertigte Leonardo im Jahre 1503 und 1504 im Auf-v 
trage des Staats und im lrVettkampfe mit Michelangelo, indem 
danach Gemälde für den .Ti1stiz1ialast (Palazzo vecchio) von 
Florenz ausgeführt werden sollten. Leonardo stellte den Siegr 
der Florentiner über Niccolö Piecinino, General des Herzogs 
Philipp Maria Visconti von Mailand, der im Jahre 1440 bei 
Anghiari in Toscana erfochten wurde, dar, Michelangelo eine 
Scene aus den pisanischen Feldzügen. Michelangelo wählte- 
den ersten Beginn des Treffens, Leonardo den letzten, noch 
zweifelhaften Moment des Sieges. Als die Cartons aufge- 
stellt waren, strömten Xvon allen Seiten die jüngern Künstler" 
zusammen, um an diesen kunstreichen und höchst vollendeten 
Werken ihre Studien zu machen, so dass, wie es scheint, ge- 
rade diese Gegenstände vom entschiedensten Einfiuss auf die 
vollständige Entwickelung der neuen Kunst gewesen sind, 
Beide Cartons sind verloren; nach dem des Leonardo hatte 
Rubens, der ihn noch sah, eine Gruiipe von vier Reitern, 
welche um eine Standarte kämpfen, gezeichnet; Edelingk hat 
dieselbe in Kupfer gestochen. Dies Üeberbleibsel des reichen. 
und grossartigen Werkes reicht gerade hin, um uns dessen 
Verlust aufs Sehmerzlichste bedauern zu lassen f). 
ü) Die urkundlichen Auszüge bei Gaye, Cartegg. II., S. 87 u. f_ 
beweisen, dass auch die Ausführung in Fresco im grossen Saale des 
Palazzo vecchio schon stückweise begonnen war und dass Leonardo 
dabei von den Malern Rafaello d'Antonio di Biagio und Fenando dem 
Spanier unterstützt wurde. Das Wenige, was er vollendete, war noch 
15l3 sichtbar.
        

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