Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1164967
122 
Buch III. 
Italien. 
XV I. Jahrhundert. 
Leonardo. 
161. 
Ausserdem besitzt-Mailand und die Umgegend noch ver-l 
sehiedene vorzügliche Originalgemälde Leonardois, sowie zahl- 
reiche, meist von seinen Schülern gearbeitete Copien der- 
selben Gegenstände, welche gleichfalls nochzur Bezeichnung 
13. seiner Thätigkeit in Blailand anzuführen sind. Dahin gehört 
besonders eine Madonna mit dem Kinde, früher im Hause 
Araciel zu Mailand befindlich. Maria hält hier das Kind mit 
beiden Isländen, das ihr Kinn fasst, wie um sie zu küssen, 
doch das Gesicht zum Beschauer wendet; auch Maria blickt 
mit geneigtem Haupte den Beschauer an. Das Ganze ist 
von höchst liebreizendem Ausdrucke und von schöner Voll- 
14. endung.  Ebenso auch das Brustbild einer Mater dolorosa, 
höchst grossartig, edel und von der gefühltesten Ausführung 
15. Mehrfach ist. in dieser Gegend die Composition einer 
heiligen Familie (la vierge au basrelief) Verbreitet, deren 
Original sich, wie es scheint, in England beim Lord War- 
wiek auf dessen Landsitz Gattonpark befindet: Maria, Welche 
das Christuskind zur Rechten auf ihrem Schoosse hält und 
den mit gefalteten Händen hinknieenden kleinen Johannes 
umfasst, der von Christus freundlich und segnend geliebkost 
wird. Rechts im Hintergrunde steht Joseph, mit kreuzweis 
über einander geschlagenen Armen, ein alter Kopf mit einer 
her aufbliihenden Nachkommenschaft. Hier aber scheint Leonardo 
nicht diese näher liegende Vorstellung verfolgt zu haben; auch lag es 
in seiner Art, über das Nächste hinauszugehen. Entweder mag er auf 
das verlorne Paradies haben anspielen, daher Kummer und Sorgen und 
ein sehnsüchtiges, unbefriedigtes Verlangen ausdrücken wollen, oder es 
lag ihm sonst irgend ein mystisches Wesen im Sinne, wozu denen der 
Schlüssel gefehlt, welche in späterer Zeit seinen Gegenstand wieder 
aufgenommen haben.... Es liegt mir deutlich im Gedäehtniss, dass 
Leonardo dieses Bild in Oel gemalt hatte. Sowohl desshalb, als auch, 
weil Vasari des Bildes nicht erwähnt, halte ich es für eine Arbeit sei- 
ner mailäinclischen Zeit. Der violett schmutzige Localton der Carnation 
stimmt überein mit den Bildnissen des Lodovico Sforza und seiner Ge- 
mahlin, welche in der Galerie der Ambrosiana zu Mailand aufgestellt 
sind."  Vgl. die Notizen Passavants, Kunstbl. 1844, S. 118. D. Kstbl- 
1853, S. 188, und cbendas. 1856, S. 272, wo er nur, die Composition 
dem Meister zugestehen will, die Ausführung einem untergeordneten 
Schüler zuschreibt. 
'39) Ueber beide Compositionen s. Fumagalli a. a. O.
        

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