Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1164863
112 
Buch III. 
Italien. 
XVI. 
J ahrhpndert. 
Leonardo. 
160. 
Anatomie (des Menschen wie auch des Pferdes), die Mathe- 
matik, die Perspektive, die Mechanik u. s. W. In Bezug auf 
Physik hat er verschiedene Schriften hinterlassen. Mannig- 
fache Beispiele von mechanischen Scherzen, die er zu seiner 
und Andrer Ergötzung trieb, sind uns aufbewahrt worden, 
wie er zum Beispiel Blasen oder Gedärme im Zimmer hatte, 
(die plötzlich aufschwollen und die Anwesenden hinausdrängten; 
wie er Vögelchen machte, die aufgeblasen emporflogen; wie 
er, bei König Franz I. Einzuge in Mailand, einen Löwen 
erfunden hatte, der dem Könige entgegenschritt und sich 
dann die Brust aufriss, aus welcher Lilien (das französische 
Wappen) dem Könige entgegensprossten u. s, w.; wie er 
allerlei Maschinen, zum Schwimmen, Tauchen und Fliegen, 
Compass und Hygrometer u. s. w. erfunden habe. Bedeuten- 
der als diese Dinge sind andere grossartigere Pläne, z. B. 
der: eine Kanalverbindung zwischen Florenz und Pisa her- 
zustellen, wie Leonardo sich auch anderweitig viel mit der 
wirklichen Ausführung von Wasserbauten beschäftigt hat; 
-und nur kühn, für ihn nicht unmöglich, war der Plan, die 
alte Taufkirche S. Giovanni zu Florenz über den Boden 
emporzuschrauben und ihr durch einen Unterbau das etwas 
gedrückte Verhältniss zu nehmen, was bei diesem sonst an- 
ziehenden Gebäude in der That unangenehm wirkt. Endlich 
muss auch noch seiner Thätigkeit im Fache der Kriegs- 
baukunst und seiner zahlreichen Erfindungen in demselben 
gedacht werden. 
 Was aber diesen. so höchst mannigfachen Richtungen 
des grossen Mannes einen Mittelpunkt gab, das war seine 
vorherrschende Liebe zu den bildenden Künsten, vornehmlich 
zur Malerei, denen er den grössten Trheil und die beste Zeit 
seiner Thätigkeit gewidmet hat. Seiner anatomischen Studien 
habeich bereits gedacht. Mit demselben Eifer jedoch, wie 
dem Studium der blossen Form, ging er auch allen Lebens- 
ätisserungen derselben nach. Niemand war forschbegieriger, 
beobachtender, schneller, um die Bewegungen der Leiden- 
schaften, wie sie sich in Mienen und Geberden malen, so- 
 gleich zu entwerfen. Er besuchte die volkreichsten Orte,
        

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