Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1164710
156. 
Francesco 
Francia. 
97 
Ausdruckes, vollendet; der heil. Sebastian ist hier ein wunder- 
har schöner, in offener Begeisterung emporblickender Jüng- 
lingli). Nicht minder trefflich ist das Altarbild der Kapelle 2. 
Bentivoglj, Madonna auf dem Throne mit vier Heiligen und 
vier Engeln. Dass indess ein so meisterhaft Vollendetes Bild, 
wie jenes der Misericordia, dem vielleicht keins der späteren 
Staffeleibilder gleichkömmt, das erste Auftreten eines Künst- 
lers bezeichne, ist nicht wohl glaublich; es hätten, dem all- 
gemeinen künstlerischen Entwickelungsgange gemäss, in den 
früheren Werken nothwendig noch die Andeutungen von 
Versuchen, noch die Zeichen des Weges, der-zurEnt- 
wickelung eines eigenthümlichen Styles geführt hat, entgegen- 
treten müssen. Es ist die Vermuthung ausgesprochen worden, 
dass Fr. Francia vornehmlich durch den Einfluss der Ge- 
mälde des Perugino in seiner Ausbildung gefördert worden 
sei"), was sich aus dem nahen Verhältniss, in dem beider 
Werke zu einander stehen, zu ergeben scheint: ich glaube 
auch, in einigen Malereien, die ich dem Fr. F rancia nicht 
-ohne Grund beizlulegen wage, einen Entwickelungsgang der 
Art wahrzunehmen. Dies sind die Fresken in den Lünetten 3. 
der genannten Kapelle Bentivoglj in S. Giacomo maggiore  
Während hier nemlichsdie Darstellungen zu den. Seiten des 
Fensters und die der gegenüberstehenden Wand (soviel davon 
nicht übermalt ist) in der Malweise und im Ausdruck der 
Köpfe" auffallend an "Francia erinnern, so ist die Gewandung 
noch wesentlich im Style des Perugino behandelt; letzteres 
4') Zu bemerken ist übrigens, dass das Bild, der obigen, nach 
Vasari mitgetheilten Angabe widersprechend, bei der Namensuntersehrift 
des Meisters die Jahrzahl MCCCCLXXXXIIII hat, dass jedoch die 
letzten Ziffern (IIII) schwächer, somit entweder verblichen oder später 
hinzugefügt sind.  
M?) v. Quandt, in der Uebersetzung des Lanzi, III., Seite I8, 
Anm.   
mit?) Malvasia (Felsina pittriee, Lor. Costa) schreibt diese Bilder, 
sammt den darunter befindlichen an den Wänden dem Lorenzo Costa 
zu. Doch sind die oberen nicht nur al fresco, die unteren mit Oel- 
farben auf Leinwand gemalt (was bei der Arbeit Eines Meisters schon 
auffallend sein würde); sondern auch der Styl .und der gesammte innere 
Charakter beider Cyklen ist wesentlich von einander verschieden. 
Knglei Malerei II. 7
        

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