Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1159876
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Buch I. 
Christl. Alterthum. 
Spätrömischer Styl. 
1, ä. 15. Im Jahre 545 wurde die Kirche San Vichele 
in Af f ricisco eingeweiht, deren schöne hlosaiken (der 
triumphirende Erlöser zwischen Engeln und Erzengeln, in 
der Nische und dann am Nischenbogen wiederholt) neulich 
abgenommen und an die preussische Regierung verkauft. wor- 
2. den sind.  Zwei Jahre später, A. 547, erfolgte die Ein- 
weihung der berühmten Kirche San Vital e, deren "Mosaiken 
sonach kurz vorher vollendet sein mögen. Leider ist uns nur 
der Schmuck der Hauptnische und des davor befindlichen, 
gewölbten viereckigen Raumes erhalten, welche sich auf die 
Stiftung und WIeihung der Kirche und auf das Opfer des 
Abendmahls beziehen. Goldgrund und blauer Grund theilen 
sich hier schon in die Darstellung, indem jener sich auf die 
Nische und auf zwei von den vier Abtheilungen des vorderu 
Gewölbes beschränkt. In der I-Ialbkuppel der Nische sieht 
man einen noch sehr jugendlichen Christus auf der Weltkugel 
thronend; zu seinen Seiten zwei Engel, S. Vitalis (als Hei- 
liger der Kirche, und der Bischof Ecelesius (als Gründer 
derselben), ein Kirchenmodell darbringend; unten auf einer 
grünen "Wiese lliessen die vier Paradiesesströme; der goldene 
Hintergrund ist von rothblauen WIölkchen durchzogen. Es- 
sind würdige, edle Gestalten, besonders Christus, dessen 
ideale jugendliche Darstellung von da an kaum mehr vor- 
kömmt. In der Gewandung zeigt sich schon viel Conven- 
tionelles, zumal in der Art des Schattirens, doch überwiegt 
3_ noch die Wahrheit bei weitem. An der untern cylindrischen 
Nischenwand befinden sieh zwei grosse Ceremoniendarstel- 
lungen auf Goldgrund, welche schon als beinahe einzige er- 
haltene Denkmäler höherer Profanmalerei aus jener Zeit von 
hohem Werthe und als Costümbilder vollends unschätzbar 
sind. Rechts sehen wir das Verhältniss des Kaisers Justi- 
nian zur ravennatischen Kirche in lebensgrossen Figuren 
dargestellt. In höchstem Putz, mit purpurnem, golddurch- 
wirktem Mantel angethan, schwer belastet mit dem Diadem 
und einer wahrhaft ungeheuern MantelagraHe, schreitet J u- 
stinian einher, kostbare Geschenke in den Händen, das regel- 
mässige, aber hochmüthig aufgedunsene, gemeine Gesicht mit
        

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