Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1159817
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Buch I. 
Christ]. Alterthum. 
Spätrömischer Styl. 
aus dem XIII. Jahrhundert stammenden Mosaiks dieser Nische 
 Christus zwischen Petrus, Paulus, Lucas und Andreas  
auch der des ursprünglich an dieser Stelle befindlichen ge- 
wesen sei, so ist unläugbar nicht nur der grössere poetische 
und symbolische Reichthurn überhaupt, sondern auch die 
vielseitigere und gewaltigere Darstellung der Herrlichkeit 
Christi auf der Seite des Triumphbogens; eine Wahrnehmung, 
die sich uns noch mehrfach (larbieten wird. Von nun an 
wird es nämlich Sitte, am Triumphbogen oder am Bogen über 
der Hauptnische zu beiden Seiten eines Lammes auf dem 
Throne, oder eines Brustbildes Christi apokalyptische Sinn- 
bilder, Schaaren von Engeln, Aposteln, Heiligen und Aelte- 
sten zu häufen, während die Nische sich mit wenigen statua- 
rischen Gestalten sich begnügen muss, welche grade nur auf 
die betreffende Kirche Bezug haben, nämlich die Namens- 
heiligen derselben, die Donatoren und in der Mitte Christus. 
Das NIosaik von S. Paul deutet uns übrigens in mehr 
als einer Beziehung einen nicht unwichtigen Üebergangspunkt 
an. Die Sinnesiveise der alten Kunst klingt hier schon nur 
noch aus der Ferne nach; der Erlöser, zu dessen halbidealer 
Darstellung jenes Bildniss der Calixtusgruft noch der nackten 
Brust bcdurft hatte, erscheint hier bis an den Hals bekleidet f). 
Die Stelle der nackten Kindergenien nehmen jetzt in ganz 
veränderter Bedeutung die Engel ein, hohe jugendliche G9- 
stalten mit Flügeln, vollständig bekleidet und bisweilen durch 
Stäbe als Herolde Gottes bezeichnet. Die frühere christliche 
Symbolik mit der idyllischen Scencrie des guten Hirten und 
dem heitern dekorativen Spiel weinbereitender G-enien u. s. w. 
hat Abschied von uns genommen und das phantastische, my- 
thisirende Element, welches jede religiöse Kunst zu begleiten. 
ü) Man kann hier an übertriebene Decenz und an künstlerisches 
Unvermögen in Betreff des Nackten denken; Wesentlicher aber hat 
ohne Zweifel die Absicht gewirkt, die Gestalt nicht mehr halbmythisch, 
götterähnlieh, sondern historisch-wirklich zu geben. Daniel und Jonas, 
welche bei den Katakombenmalern noch meist nackt auftreten, als 
mythologische Vertreter Christ-i, erhalten später, wo es sich um ihre 
eigene, historische Darstellung handelt, ebenfalls ihre Bekleidung.
        

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