Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1159762
Mosaiken. 
Baptisterium 
VOIl 
Ravenna. 
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(männliche und weibliche Heilige und drüber Widder, Pfauen, 
Seepferde, Hirsche und Greife), meist weiss auf rothgelbem 
oder grauem Grunde. Dann folgt mit dem Beginn der 
Kuppel, Wiederum in Mosaik, ein reicher Kranz von 4 
Altären mit offenen Büchern (Evangelien), 4 TIJYOIIQU mit 
Kreuzen, 8 Bischofsstühlen unter Muschelnischen und 8 zier- 
lichen Gartenlauben (Gräbern  welche symmetrisch unter 
einander vertheilt und durch eine schöne, fast noch pompeja- 
nisch gedachte Architektur eingefasst sind. Innerhalb dieses 
Kreises befinden sich die Hauptdarstellungen: rings die 12 
Apostel in kolossaler Grösse, und in der Mitte als Rundbild 
die Taufe Christi. Die Apostel erscheinen auf grünem Boden 
und blauem Hintergrund, unter einer weissen, goldverzierten, 
das Mittelrund tnngebendeil Draperie, getrennt durch goldene, 
aufsteigende Akanthuspflanzen. Ihre Gewänder sind grossen- 
theils von Goldstoli"; Kronen in den Händen tragend schrei- 
ten sie in ungezwungenem Rhythmus Würdevoll daher, in 
schönstem Gegensatze zu der starren Regungslosigkeit späterer 
hlosaiken. Die Köpfe sind, Wie in manchen Katakomben- 
bildern, etwas klein und dabei keinesweges jugendlich ideal 
und allgemein, sondern lebendig individuell, ja von derjenigen 
spatrömischen Pliisslichkeit, Welche sich in den Porträts jener 
Zeit oft geltend macht. Trotz der sehreitenden Bewegung 
sind sie nicht im Proül, sondern en face dargestellt, und zwar 
in einem sonst so vorzüglichen Werke gewiss noch nicht aus 
Unbeholfenheit, sondern Weil der Gläubige möglichst Wenig 
von dem heiligen Antlitz verlieren sollte. In Ermangelung 
eines festen Aposteltypus, dessen Anfänge sich höchstens in 
der Gestalt des heil. Petrus zeigen (ein Greisenkopf, doch 
noch ohne Glatze), sind sie durch Beischriften kenntlich ge- 
macht. Herrlich sind insbesondere die Motive und die Aus- 
führung der Gewänder, welche in ihrem weichen Schwung, 
in ihren grossartigen Massen an die besten römischen 
Arbeiten erinnern; Wie bei antiken Victorien erscheinen sie 
von unten her angeweht und gleichsam von überirdischem 
Sturmwinde bewegt.  In dem Mittelbilde, der Taufe Christi, 2- 
ist das Nackte noch gut und ungezwungen; durch das WVasser 
Kugler Malerei 1. 5
        

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