Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1159665
Katakomben. 
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selt auf die Schultern herab; der Bart ist nicht stark, kurz 
und gespalten; das Aussehen ist das eines Mannes von 30 
bis 40 Jahren. Zwar wird das Bild weder durch Inschrift 
noch durch sonstige Zeichen als Christus erklärt; dass es aber 
keine andere Person vorstellen könne, geht sowohl aus der 
bedeutsamen Stelle hervor, die es in dem Gemache einnimmt, 
und auf die sich alle übrigen darin enthaltenen Darstellungen 
zu beziehen scheinen, als auch aus der bedeutenden Grösse, 
darin es ausgeführt ist. Ein fernerer Grund, welcher wenig- 
stens beweist, dass wir nicht etwa das Bildniss eines Ver- 
storbenen vor uns haben, liegt in der Tracht; während näm- 
lich die gewöhnlichen Porträtfiguren in den Kunstwerken des 
IV. Jahrhunderts mit der damaligen, von der Kleidung der 
guten römischen Zeit schon sehr abweichenden Modetracht 
angethan sind, behalten die Personen des alten und neuen 
Testamentes, und so auch das eben besprochene Christusbild 
eine ideale antike Tracht, oder (wie an den meisten Sarko- 
phagen) wenigstens die alte römische Toga und die lange 
Tunica bei.  
Ein anderes Brustbild Christi befand sich in den Grrüf- 6. 
ten von San Ponziano (an der Via Portuensis). Est ist, bis 
auf einige Wenige Abweichungen, dem eben beschriebenen 
im Charakter ziemlich ähnlich, jedoch bekleidet und mit ge- 
wissen Eigenthümlichkeiten, die bereits auf eine etwas spätere 
Zeit der Darstellung zu deuten scheinen. Mit dem Briefe 
des Lentulus stimmen beide, wenn nicht streng, doch im All- 
gemeinen überein und Bildnisse und Beschreibungen zusam- 
men erweisen, dass bereits die ältesten christlichen Künstler 
in der Porträtdarstellung von Christi Persönlichkeit nicht 
nach Willkür verfuhren, sondern einer bestimmten, vom 
griechischen Ideal bedeutend abweichenden Tradition folgten, 
und auch in dieser Beziehung der Folgezeit die Hauptlinien 
vorgezeichnet haben. (Die Mutter Christi kommt in den 
Gruftbildern dieser frühern Zeit nur so selten und blos bei- 
läuüg vor, dass sich für sie noch kein besonderer Typus fest- 
stellte.) 
Ein anderes berühmtes Wandgemälde der Gruft des heil. 7.
        

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