Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1159618
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Buch 
Ohristl. 
Alterthum. 
ken ist. Noch Eusebius von Cäsarea weigert sich aus re- 
ligiösen Gründen geradezu, der Schwester Constantins ein 
Bildniss Christi zu verschaffen, und sogar ein Jahrhundert 
später erklärt Augustin, man wisse von Christi körperlichem 
Aussehen gar nichts. Allein die Tradition davon, und wäre 
sie auch ohne allen historischen Kern ganz willkürlich erfun- 
den gewesen, musste dem damaligen, grossentheils erst dem 
Heidenthum entrissenen Geschlecht so wichtig, und der ver- 
hältnissmässig nur kurzen Zwischenzeit wegen so glaublich 
vorkommen, dass aller Theologie zum Trotze die Bildnisse 
Christi doch überhand nahmen, mochte man nun die Üeber- 
lieferung zurückführen auf ein von Jesus selbst, oder von Pis 
latus, oder vom Apostel Lucas, oder (nach späterer Ansicht) 
von Nicodemus gefertigtes Bildniss, oder auf einige zwar 
unächte, aber doch alte schriftliche Aufzeichnungen, wie z. B. 
der Brief des Lentulus an den römischen Senat, der seiner 
ursprünglichen Abfassung nach wohl noch dem dritten Jahr- 
hundert angehören kann. Lentulus (den man  jedoch wi- 
der die Geschichte  zum Vorgänger des Pilatus in der 
Statthalterschaft von Palästina macht) schildert Christum: „als 
„einen Mann von hohem Wuchs, von ernstem und imposan- 
„tem Antlitz, welches Die, so ihn sehen, sowohl lieben als 
"fürchten können; seine Haare sind weinfarben (wahrschein- 
„1ich ist hier eine ganz dunkle Farbe gemeint), und bis zu 
„den Ohren straff und glanzlos, von da bis auf die Schultern 
„aber gelockt und glänzend; von den Schultern wallen sie 
"abwärts und sind gescheitelt nach der Sitte der Nazaräer 
"(irrthümlich statt Nasiräer). Die Stirn ist eben und heiter, 
"das Gesicht ohne Flecken, angenehm durch eine massige 
„Röthe. Die Nliene ist edel und einnehmend, Nase und 
"Mund ohne Tadel, der Bart reichlich und von der Farbe 
"des Haupthaares, in der Mitte gespalten, die Augen blau 
L 
i?) Vielleicht giebt uns ein uraltes, möglicherweise sehqn dem drit- 
ten Jahrhundert angehörendes, stark restaurirtes Mosaik des museo 
cristiano im Vatican einen Begriä von der Art, wie sich die aufgeklär- 
ten Heiden Christum denken mochten. Es ist ein bärtiger Proülkopf, 
der ungefähr dem damaligen Philosophentypus entspricht.
        

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