Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1159607
Unmittelbare 
Darstellung 
Christi. 
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göttliche Macht und Würde. Auch der Einzug in Jerusalem 
ist, WO er vorkömmt, als Akt der Verherrlichung und als 
Symbol der Wiederkunft (nicht als Anfang der Leiden) allf- 
zufassen, denn es lag in der Natur einer so eben dem antiken 
Göttcrcultus entrissenen Kunst begründet, an der? neuen 
Gotte nicht die passive, sondern die aktive Seite, nlcht das 
Leiden, gondern die Allmacht hervorzuheben; Wessllalb denn 
auch die Passions- und Kreuzigungsbilder erst ganz spät 
(seit dem VIII. Jahrhundert) den Kreis der Darstellungen 2 
aus dem Leben Christi abschliessen. Nicht minder War" es  
der antiken Kunst gemäss, dass sie theils in Ermangelung 
sicherer Tradition, theils nach innerm Antriebe (Weniger wohl 
aus religiöser Scheu vor individueller Ausbildung der Per- 
sönlichkeit Christi) sich zunächst ein freies Ideal des Erlösers 
schuf, und zwar meist eine fast noch knabenhafte J ünglings-  
gestalt, die mit den Genien des Heidenthums einige Aehn- 
liehkeit hat, übrigens mit einer Tunica bekleidet ist. (Gott 
Vater wird bisweilen auf eben dieselbe Weise dargestellt, 
z. B. an einem Sarkophage des Vaticans, meist aber schon 
in Gestalt eines bärtigen Alten.) Erst. etwas später, doch 
noch im IV. Jahrhundert, kommt derjenige porträtartige 
Christustypus zum Vorschein, Welcher sich dann das 
ganze Mittelalter hindurch mit wenigen Veränderungen gel- 
tend gemacht hat, und welchem wir hier eine kurze Betrach- 
tung zu Widmen haben. 
Die ersten Bildnisse Christi linden sich nicht in der 3. 
rechtgläubigen Gemeinde (Wie schon oben angedeutet wurde), 
sondern bei Haretikern und bei Heiden, z. B. in der Haus- 
kapelle des Kaisers Alexander Severus (um 230), wo das 
Bild Christi neben denjenigen des Apollonius von Tyana, des 
Abraham und des Orpheus stand, obwohl hier gewiss eher 
an eine Idealgestalt als an ein eigentliches Porträt zu den- 
M) Die Literatur hierüber am Besten bei: G i e s eler, Kirchengeschichte 
I, 5. 24.  Münter, Sinnbilder und Kunstvorstellungen der alten 
Christen II, S. 1-25.  Augusti, Beiträge zur christlichen Kunst- 
geschichte 1841, S. 48 u. f. 
Kugler Malerei I. 4
        

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