Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1159586
Symbolische 
Darstellung 
des 
Alten 
Testaments. 
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Gebirge durch einen Berggott, die Stadt durch eine Göttin 
mit der Mauerkrone, die Nacht durch ein Weib mit Fackel 
und sternbesäetem Schleier, die Morgenfrühe durch einen 
Knaben mit Fackel, der Himmel durch einen Mann der einen 
Schleier über seinem Haupte schwingt, sinnbildlich dargestellt, 
und Manches dieser Art lässt sich bis in's XIII. Jahrhundert 
hinein nachweisen. Andere heidnische Gestalten, Wie z. B. 
die nackten Kindergenien, welche schon das spätere Alterthum 
mehr nur in decorativem Sinne gebildet hatte, dauern Wenig- 
stens bis in's V. Jahrhundert, und selbst der späte Mythus 
von Amor und Psyche kommt noch an christlichen Sarko- 
phagen vor, vielleicht indem man ihn auf die ewige Liebe 
umdeutete. 
Indessen konnte der so reiche epische Gehalt der heiligen 5.. 
Schriften einer noch immer ungeheuer ausgedehnten Kunst- 
übung und dem Drange nach künstlerischer Gestaltung, wie 
er im römischen Reiche vorhanden War, sich auf die Länge 
nicht entziehen,'so sehr sich auch ein Rest heiliger Scheu vor 
der unmittelbaren Darstellung Christi und seiner Geschichte 
geltend machen mochte. Hier trat nun vermittelnd jene 
schon dem apostolischen Zeitalter eigene theologische An- 
schauungsweise ein, welche, über den gewöhnlichen Begriff 
der messianischen Weissagung hinausgehend, die Personen 
und Ereignisse des alten Testamentes überhaupt als Vor- 
bilder derjenigen des neuen autfasste. So wurde es möglich, 
das neue Testament unter dem Gewande des alten darzu- 
stellen, und dem Verlangen nach historischer Composition 
ohne Anstoss Genüge zu leisten, wenn auch nicht immer auf 
schöne und tiefsinnige Weise. Sehen wir z.B. den Abraham 
dargestellt, welcher im Begriff ist, seinen Sohn zu opfern, so 
wird darunter Gott verstanden, der „also die Welt geliebt 
hat, dass er seinen eingebornen Sohn dahingab." Sehen Wir 
den Moses, welcher einen Bach aus dem Felsen schlägt, und 
IQDieUdQ, die daraus trinken, so deutet diess auf Christi 
wunderbare Geburt aus dem Schoosse der Jungfrau; er ist, 
nach dem yVOI-te des Propheten, „der Heilsbrunnen, aus dem 
mit Freuden Wasser geschöpft wirdg" er ist „der geistliche
        

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