Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1159568
Symbolische 
Darstellung 
Christi. 
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und wirkungsreioh andeuteten, ohne das scheue Gefühl durch 
Verkörperung des Unfassbaren zu verletzen. Die biblischen 
Gleichnissreden und vieles Andre gaben hiezu die vielseitigste 
Gelegenheit. 
ä. 5. Vor Allem musste es darauf ankommen, ein sym- 1, 
bolisches Bild solcher Art für den Heiland selbst und seine 
erhabene Sendung zu finden, welches, im Gegensatz gegen 
jene kunstlosen graphischen Zeichen des Kreuzes und des 
Monogramrnes, gegen jene nicht sehr bestimmten Symbole 
des Lammes, des Weinstocks, des Fisches, dem Auge in 
künstlerisch eindringlicher Wirkung gegenüberträte. Die 
Erinnerung an die eignen Worte Christi entschied sehr bald 
über die Wahl des Gegenstandes. Christus selbst hatte ge- 
sagt: „[ch bin ein guter Hirt." Er hatte den Jüngern von 
dem Hirten erzählt, der das verlorne Schaf zu suchen in die 
Wüste gehe und dasselbe, wenn er es gefunden, auf seine 
Achsel mit Freuden lege, der sein Leben lasse für seine 
Schafe; er war als solcher auch schon von dem Propheten 
bezeichnet worden. S0 ward Christus als guter Hirt dar- 
gestellt, und unzählige NIal finden wir ihn in dieser Ver- 
gegenwärtigung auf den frühesten christlichen Kunstwerken 
aller Gattungen, selbst als Statue. Bald sehen wir ihn in- 
mitten seiiier Schafe, allein oder mit Gehülfen, ein Schaf lieb- 
kosend oder eine Ilirtenflöte in der Hand, bald erscheint er 
trauernd über das verlorene Schaf, und dann, wie er das 
wiedergefundene auf den Schultern trägt; letztere Vorstellung 
war die häufigste von allen und fand sich schon zu Tertullians 
Zeit in der Regel auf den gläsernen Abendmahls- und Agapen- 
kelchen vor. Gewöhnlich ist er als idealer Jüngling darge- 
stellt, zuweilen als bärtiger Mann; in einfach hoehgeschürz- 
tem Gewande, oft auch mit dem kurzen, über die Schultern 
hängenden Regenmantel der Hirten. Ein anmuthig idyllischer 
Zug, der unwillkührlich zu stillen Betrachtungen reizt, geht 
durch alle diese Darstellungen. .W0hl geeignet, ernste, wenn 
auch eben nicht erschöpfende Gedanken anzuregen, ist es zu- 
gleich der Gegenstand einer heitern künstlerischen Dekoration, 
die sich vortrefflich der antiken Dekorationsweise, wie die-
        

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