Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1159554
44 
Buch 
Christl. 
Alterthum. 
ihre andere Seite habe. Jene grosse Verallgemeinerung, 
Welche den griechischen Kunstformen unter der Römerherr- 
schaft zu Theil geworden war, hatte ihnen in der That viel 
von der Kraft ihres geistigen Gehaltes genommen. Statt den 
dargestellten Gegenstand unmittelbar zu bezeichnen, waren 
sie häufig zu blossen Trägern des allgemeinen Begriffs, zu 
Symbolen im umfassenderen Sinne, geworden. Sie beschäf- 
tigten mehr den Gedanken, als dass sie unmittelbar auf das 
Gefühl wirkten. J e mehr der naive Glaube an die alte Mythe 
verfiel, um so mehr wuchs diese rein symbolische Anwendung 
der alten Kunsttypen. Der letzte Aufschwung der alten 
Kunst, den wir von der spätern Zeit des zweiten Jahr- 
hunderts n. Chr. G. an besonders aus den Reliefs der Sarko- 
phage kennen, zeigt uns dies aufs Deutlichste. Die Mythen 
des Meleager, der Niobiden, die von Amor und Psyche 
u. s. w. werden hier nicht mehr vorgestellt, um dem Besehauer 
die poetische Existenz dieser Personen und ihrer Schicksale 
zu vergegenwärtigen, sondern um unter solchen Bildern die 
Gedanken des Unterganges, des Todes, des zukünftigen ge- 
läuterten Daseins auszudrücken. Die mythische Form des 
Vortrages war ein fast unschuldiger Behelf zum Ausdruck 
des reinen Gedankens. 
Indem sich solchergestalt das Band zwischen Kunst und 
heidnischer Religiosität aufzulockern begann, musste die 
erstere auch für die Christen einen Theil ihres gefährlichen 
Charakters verlieren. Man konnte es wagen, dem Kunst- 
bedürfniss zu genügen und über die Beschaffung der schlich- 
testen Symbole hinauszugehen. War man durch diese schon 
auf ein bestimmtes Feld künstlerischer Anschauungen ge- 
führt worden, so diente die symbolisirende Kunstthätigkeit, 
die sich gleichzeitig für heidnische Zwecke immer mehr gel- 
tend machte, dazu, ähnlich Umfassendes auch für christliche 
Zwecke zu versuchen. Blieb die unmittelbare Vergegen- 
wärtigung des Heiligen, zumal bei der entschieden spirituellen 
Tendenz der Zeit, misslich, so konnte man doch symbolische 
Darstellungen finden, die, gleich jenen heidnischen Sarkophag- 
Reliefs, den Inhalt der neuen Lehre vielgestaltig, ansprechend
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.