Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163183
127. 
Mark 
Ancona. 
Gentile 
da 
Fabriano. 
407 
des Gritto: Gentile da Fabrianoäk), geboren zwischen 
1360 und 1370, dessen Blüthe dem Anfange des XV. Jahr- 
hunderts angehört. Er ist dem Fiesole ähnlich, aber er hat 
auf der einen Seite nicht die religiöse Hingebung dieses 
Künstlers und übertrilit ihn auf der andern durch eine unbe- 
fangnere Auffassung der Erscheinungen des Lebens. Sehr 
charakteristisch ist für ihn ein Wort des Michelangelo: Gen- 
tileis Bilder seien wie sein Name, d. h. edel, anmuthig, heiter, 
lebhaft u_ S, w.,  denn alle diese Begriffe vereint das 
italienische Wort gentile in sich, das, wie es eine bestimmte 
Eigenthümlichkeit italienischer Sitte bezeichnet, in unserer 
Sprache kein entsprechendes Wort findet. Fiesole und Gen- 
tile erscheinen wie zwei Brüder, beide hochbegabte Na- 
turen, beide voll des innigsten, liebenswürdigsten Gemüthes, 
aber jener ist ein Mönch und dieser ein Ritter geworden. 
Eine wundersame Frühlingslust offenbart sich in Gentile's 
Bildern, die ich mit den Dichtungen der Minnesänger ver- 
gleichen möchte, eine unaussprechliche Heiterkeit, die durch 
keinen Zweifel, keine Bangigkeit der Seele getrübt wird; 
zugleich eine kindliche Freude an Pracht und goldenem 
Schmucke, den er in grösstem Reichthum anwendet, ohne 
jedoch das Auge durch Ueberladung zu verwirrentkd"). 
Ueber Gentile's Bildung ist nichts bekannt, auch von 5- 
den zahlreichen Werken, welche er in der Umgegend seiner 
Jrleimath, in Venedig, in Rom ausgeführt hat, nur sehr We- 
niges erhalten; namentlich ist der Verlust seiner höchst um- 
fassenden Arbeiten in der Kirche des Lateran zu Rom, welche 
 Elogio del pitt. Gentile da Fabriano, scr. da! Marekese 
A. Cav. Ricci. Macerata 1829. - Deutsch übersetzt im Museum, 
1837, N0. 2 u. ff. 
M) Zu bemerken ist, dass er es, wie Manche seiner Zeitgenossen, 
liebt, den Goldschmuck zuweilen erhöht, en relief, aufzusetzen, was 
jedoch ganz in der Natur eines solchen Schmuckes begründet ist. 
Denn da. im Golde keine genügende Modellirung durch Schatten und 
Licht zu erreichen ist, so konnte eine solche nur durch das genannte 
Mittel hervorgebracht werden, wobei freilich das Bild durchaus im 
rechten Lichte betrachtet werden muss-
        

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