Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163168
126. 
Altvenezianische 
Schule. 
405 
drei Rundbildern die Madonna und zwei Propheten enthält, 
alles in Mosaik von der Hand des schon erwähnten Giam- 
bono, um 1430 begonnen. WVährend im übrigen Italien 
diese Kunstgattung schon fast gänzlich aufgehört hatte, weil 
sie dem ungeheuer gesteigerten Kunstbedürfniss nicht mehr 
zu folgen im Stande war, errang sie hier, wo man sie zur 
Vollendung der Marcuskirche nicht entbehren konnte, noch 
einen ihrer bedeutendsten Erfolge. Zwar ist das höhere, 
architektonische Princip, welches im Styl der altern Mosaiken 
zur Erscheinung kam, hier nicht mehr beobachtet; es sind 
historische Gemälde von sehr entwickeltem Styl, in sauberes, 
feines Mosaik übersetzt; allein die Gemessenheit der Ver- 
theilung, die Schönheit und der Ausdruck der Gestalten, die 
leuchtende Farbe und der prachtvolle architektonische Hinter- 
grund, Welcher überdiess perspectivisch richtig ist, ertheilen 
diesem Werke nicht bloss den Vorzug vor allen übrigen Mo- 
saiken dieser Kirche, sondern eine hohe Stellung in der da- 
maligen Historienmalerei überhaupt. Der Künstler, welcher 
sich in einer Beischrift ausdrücklich als! Venezianer nemit, 
starb um 1450. I 
Wie die altvenezianische Schule aber zu dieser Ent- 9_ 
wickelung gelangte, bleibt noch ungewiss. Ein direkter Ein- 
fluss von der Schule Giottds her lässt sich nirgends nach- 
weisen; es sind mehr nur die allgemeinem Typen des 
gothischen Styles, welche sich allmälig Bahn brechen. Was 
aber die Besonderheiten der Schule betrifft, so fühlt man sich 
versucht, dieselben mit den Culturbedingungen Venedigs in 
Verbindung zu bringen. Es liegt, möchte man sagen, in der 
Natur einer reichen mittelalterlichen Handelsaristokratiel, von 
der Kunst eher eine augenbestechende Pracht und Zierlichkeit, 
Womöglich in tragbarer Gestalt, sei es nun Hausaltar oder 
öäeutliehes Weihgeschenlz, zu verlangen, als grosse, monu- 
mentale Arbeiten, welche eine ganze Welt von Ereignissen 
und Gedanken in einer allerdings mehr nur andeutenden 
Ausführung enthalten. Die gleichzeitige iiandrische Malerei, 
welche unter ähnlichen Bedingungen analoge Eigenschaften 
entwickelte, gewährt, dieselbe Beobachtung.  Die Tiefe und
        

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