Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163061
Padua. 
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Zunächst erscheint derselbe in der vollen dramatischen 3. 
Machtfülle der besten unter seinen Schulgenossen; wenn er 
auch weniger auf stark bewegte Seenen ausgeht. Giotto und 
seine Nachfolger betrachteten den Flächenraum ihrer Gemälde 
als ein der möglichst durchgängigen Belebung bedürfendes 
Ganzes; da aber die höhere Durchbildung der Landschaft, 
der Architektur u. s. w., kurz die malerische Ergänzung des 
iigürliehen Vorganges durch die sichtbare Welt ausserhalb 
ihres Kreises lag, so gaben sie den Iclauptpersonen eine oft 
sehr zahlreiche Begleitung bei, welche zugleich den Vorgang 
durch Theilnahnie verdeutlichen half. D'Avanz0 erscheint 
nun zwar in der Darstellung der Landschaft und der Per- 
speetive bedeutend entwickelter; allein er behielt die bisherige 
Compositionsweise bei und belebte sie neu durch die ihm 
eigene individuelle Tiefe und Vielartigkeit. Auch in seinen 
Hgurenreichsten Compositionen ist der Hauptgedzinke, der 
Moment, immer klar und lebendig entwickelt. Dazu kömmt 
nun noch eine Gabe des psychologischen Ausdruckes, eine 
Intuition des Geistigen in dem Aeusserliehen, und eine Kennt- 
niss der Form, wie sich diess bei keinem Frühern vereinigt 
gefunden hatte. Das Bild der Kreuzigung (an der Altar- 
wand), welches dasjenige der Capella San Felice in jeder 
Beziehung übertrifft, zeigt in schön gesonderten Gruppen eine 
Abstufung der verschiedenen Arten von Betheiligung an dem 
Ereigniss, welche kaum in irgend einem andern Kreuzigungs- 
"bilde mit solcher hohen Mässigung und Schönheit erreicht 
werden ist; besonders herrlich ist der Kopf des todten Christus, 
in Welchem der Maler viel weniger die Todesmattigkeit als 
die Göttlichkeit hervorzuheben gesucht hat.  Von den Bil- 4. 
dern der Thürwand ist die Anbetung der Könige als eine 
Composition zu nennen, Welche den grössten Reichthum mit 
der weiscstcn Abgemessenheit verbindet. In der Flucht nach 
Aegypten ist das lächelnde Antlitz der Madonna, zu Welchem 
das Kind fröhlich emporsieht, von wunderbarem Zauber. Wie 
einst bei Giotto, so ist auch hier diese Scene mit mehrern 
Nebenfiguren (Hirten etc.) versehen,  Die Legenden, an 5_ 
den Seitenwänden, enthalten einen Schatz an neuen, lebens-
        

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