Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162925
ä 
116. 
Fra 
Giovanni 
da 
Fiesole. 
381 
Den grössten Theil seines Lebens brachte Fiesole im 
Kloster San Marco zu Florenz zu; begraben liegt er in Rom, 
allwo noch das Bildniss auf seinem Grabstein (in S. M. 
sopra hlincrva) Zeugniss gicbt von dem tiefen und unvergäng- 
lichen Seelenfrieden, welcher über sein Wesen verbreitet ge- 
wesen sein muss. Seine hohe Frömmigkeit, davon sein Le- 
ben, sowie seine Bilder Kunde geben, erwarb ihm die Selig- 
sprechung und den Namen des Engelgleichen (Angelico). Er 
hätte, so sagt Vasari, gemächlich in der Welt leben und sich 
durch seine Kunst, die er schon in der Jugend wohl ver- 
stand, reichliche Einkünfte verschaffen können; aber er zog 
es vor, zu seiner Befriedigung und Ruhe, und vornehmlich 
zum Heil seiner Seele, in den Orden der Predigermönche 
einzutreten. Er malte nie für Geld, sondern genügte ohne 
WVeiteres gern eines Jeden Bitte, sofern die Erlaubniss des 
Priors eingeholt War; ja er war so demüthig, so wenig nach 
Ehre begierig, dass er, als ihm der Papst Nicolaus V., seines 
reinen und heiligen Wandels wegen, das Erzbisthum von Flo- 
renz übergeben wollte, jenen bat, einen anderen hiefür zu 
erwählen, da er sich nicht zum Regieren berufen fühle. Nie 
ist er ohne Gebet an die Arbeit gegangen und seine Seele 
war so erfüllt von seinen Werken, dass er oft, wenn er das 
Leiden des Erlösers malte, durch Thränen unterbrochen 
wurde. Daher denn betrachtete er das, was er gemalt hatte, 
als ein Gnadengeschenk des Himmels, und er wagte es nie, 
eine nachbessernde Hand anzulegen. 
Dieser tiefe Frieden des Gemüthes, diese stets reine und 
heilige Stimmung, diese gläubige Hingebung der Seele, bil- 
det nunmehr den Grundcharakter in Fra GiovannYs stimmt- 
lichen Werken. Menschliche Leidenschaft, Kampf mit der 
Leidenschaft und Ueberwindung derselben kennt er nicht; es 
ist eine verklärte seligere Welt, welche er unseren Augen zu 
eröffnen strebt. Er sucht die Gestalten, welche er uns "Yor- 
führt, mit der höchsten Anmuth, wie sie nur seine Hand 
auszudrücken vermag, zu bekleiden; der süsseste Liebreiz 
kehrt auf allen diesen Gesichtern wieder; mit einer Gabe der 
feinsten Individualisirttng Weiss der Maler den Ausdruck rei-
        

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