Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162838
372 
Buch II. 
Mittelalter. 
Italien. 
Gothischer Styl. 
113. 
wärtig in Siena (wie es scheint) an verschiedenen Orten zer- 
streut ist, und welches auf dem Mittelbilde, einer Madonna 
mit dem Kinde, die Namensunterschrift des Künstlers führt; 
die Seitentafeln enthalten zahlreiche Figuren von Propheten 
und Heiligen. „Die Weise der Anschauung, die diesem gan- 
zen WVerke zu Grunde liegt, ist bei weitem ernster, tiefer, 
ergreifender, als wir sie bei den meisten F lorentinern finden, 
und Ruhe, Würde, Adel, mit einem Worte: Heiligkeit, spricht 
aus allen Gestalten und deren Bewegungen. vorherrschend 
ist das Gefühl für Schönheit und Feinheit der Züge, die 
durchaus ideal gehalten sind; die Zeichnung sicher, aber 
nicht ohne Blangel. Von eigentlicher Rundung ist keine 
Rede, doch sind Licht- und Schattenmassen gesondert und 
für den Ausdruck benutzt. Dieser selbst ist überall von 
durchdringender Innigkeit und Wahrheit, und wunderbar 
zieht über alle Gesichter ein sanfter Duft, der uns die Hei- 
ligen in eine (obschon leuchtende) Ferne rückt, ein Gefühl 
fast unwiderstehlicher Sehnsucht im Beschauer rege macht 
und uns einen Blick in die ahnungsreiche, nur von durch- 
sichtigem Schleier umwobene Seele des Künstlers thun lässt, 
der, ausgerüstet mit den Anlagen zu höchster Vollendung, 
noch in der Macht der ungeübten und unfreien Kindheit der 
Kunst gehalten wird." WVas die Ausführung betrifft, so ist 
das Ganze ungemein zart gemalt, in der Carnation (bei vor- 
herrschend grünlicher Untermalung) sorglichst, fast email- 
artig beendet, die Haare mit eigener Feinheit mehr gezeichnet 
als gemalt; zugleich ist ein reicher Schmuck von zierlichen 
Ornamenten vorhanden und namentlich Perlen und Edelsteine 
mit grösstei" Sauberkeit ausgeführt. 
. Dieselbe Innigkeit des Ausdruckes und Eigenthümlich- 
keit der Ausführung trägt ein grosses, von zahlreichen Hei- 
ligen umgebenes Madonnenbild, welches im Gerichtssaale des 
öffentlichen Palastes zu Siena  ursprünglich von einem 
älteren Meister  auf die Wand gemalt und vonSimone um 
1330 wiederhergestellt, oder vielmehr, wie es scheint, gänz-  
lich neu gemalt ist. Leider ist dasselbe in späterer Zeit 
mannigfach roh ausgebessert.  Noch einige andere Bilder
        

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