Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162817
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Buch II. 
Mittelalter. 
Italien. 
Gothiseher Styl. 
in welcher vorzugsweise das Gemüth des schaffenden Künst- 
lers hervortritt, und die wir bereits mit der lyrischen Poesie 
verglichen haben. Das Gemüth, das innere Leben der Seele, 
bedarf, um sich in ausserer Erscheinung zu betlIEi-tigen, nicht 
verschiedenartig charakteristischer Typen; es hat. es nicht 
vorzugsweise mit den Erscheinungen des Lebens in ihrer 
mannigfachen Besonderheit und in ihren gegenseitigen Be- 
zügen zu thun; der Ausdruck des Gemüthes, der allerdings 
zwar bis an die Oberfläche der körperlichen Form durch- 
dringt, ist von dieser nicht eigentlich abhängig. 
So sehen wir denn, als nächstes Resultat dieses allge- 
meinen Gesetzes, in jener zweiten Richtung der gegenwär- 
tigen Periode Vieles von den künstlerischen Motiven, der 
vorangehenden, die vornehmlich auf altchristlichen Ueber- 
lieferungen beruhte, beibehalten; jedoch nicht bloss, weil man 
das Bedürfniss, dieselben zu verlassen, nicht fühlte, sondern 
weil allerdings zugleich das Ideale und grossartig Abgeschlos- 
sene dieser Gebilde den Ausdruck vorwaltender Gemüths- 
stimmung vorzugsweise begünstigte. Dessenungeachtet musste- 
jedoch auch hier, statt jener eigenthümlichen Strenge und 
Härte der byzantinischen KunstKdie, wie wir sahen, schon 
beim Duccio beträchtlich vermindert war) derselbe weichere 
Styl Eingang finden, über den bei der Charakteristik Giotto's 
bereits näher gesprochen ist, und um so mehr, als er der 
schwärmerischen Sentimentalität, welche die in Rede stehende 
Richtung der Malerei, wie alle Lyrik jener Zeit, charakterisirt, 
einen um so vollkommneren Ausdruck gestattete, 
Vornehmlich bei den Sienesern hat sich diese Richtung 
zu eigenthümlicher Schönheit ausgebildet  An der Spitze 
i?) Hier müsste des Ugolino da Siena gedacht werden, welcher 
im Jahre 1339 hoehbejahrt starb. Von seinem einzigen sicheren Werke, 
dem Hoehalfar von Sta. Croce in Florenz waren im Jahre 1835 noch 
die wichtigsten Tafeln (Halbflguren Von Heiligen, und an der Altar- 
staifel kleine Passionsbilder) in der seitdem zerstreuten Sammlung von 
Yonng Ottley in London vorhanden. (Vgl. Waagen, Kunstw. und 
Künstler in England, I, S. 393 und Crowe u. Cavalcaselle I, 162,
        

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