Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162722
110. 
Pisa; 
das 
Campo 
santo ; 
Orcagna. 
361 
lischen Gnade; schüchtern und fast erschreckt über die Worte 
einer ewigen Verdammniss, wendet sie sich ab und zeigt in 
Gesicht und Geberde nur den Ausdruck heiligen Schmerzes 
um die Verlorenen. Zu beiden Seiten sitzen die Väter des 
alten Bundes, die Apostel und andere Heilige neben ein- 
ander, strenge und feierlich würdige Gestalten. Ueber Chri- 
Stus und Maria schweben Engel mit den Instrumenten der 
Passion. Unter ihnen ist eine streng rhythmische Gruppe 
andrer Engel, welche die Todten aus ihren Gräbern rufen; 
zwei von diesen blasen die Posaunen; ein dritter hüllt sich 
zitternd vor dem ungeheuren Schauspiele in sein Gewand. 
Tiefer hinab ist die Erde, wo die Menschen aus den Gräbern 
auferstehen; gepanzerte Engel weisen die Erstandenen zur 
rechten und zur linken Seite. Hier sieht man, in der Mitte, 
den König Salomo, der, indem er sich erhebt, noch zweifel- 
haft ist, nach welcher Seite er sich wenden müsse; hier sieht 
man einen scheinheiligen Mönch, der durch einen Engel aus 
der Schaar der Gebenedeiten an den Haaren zurückgezogen 
wird, und einen" Jüngling in weltlichen Kleidern, den ein 
andrer Engel -von der Seite der Verdammten zu jenen über- 
führt. Die Seligen und die Verdammten erheben sich auf 
beiden Seiten des Gemäldes in gedrängten Schaaren überein- 
ander; die Qualen der Verzweiflung sind in den Geberden 
der letzteren, die Flammen der Hölle stürmen auf sie ein und 
Teufel zerren bereits an ihren Gewanden.  Auch hier sol- 
len, unter seligen" und Verdammten, mannigfache Portraits 
von Zeitgenossen enthalten sein, doch ist uns über die Ein- 
zelnen nichts Näheres berichtet. Jene Motive der Bewegung 
in den Gestalten Christi und der Maria sind nachrnals von 
Michelangelo in seinem berühmten Gemälde des Weltgerich- 
teg zu Rom Wiederum aufgenommen worden; aber es steht, 
trotz der Vollendung seiner Formen, beträchtlich gegen die 
hohe Würde des alten Meisters zurück. Auch die Anord- 
nung der Patriarchen und Apostel hat späteren Meistern, 
namentlich dem Fra Bartolommeo und Raphael, zum Vor- 
bilde gedient. 
Die dritte 
Darstellung , 
welche 
sich 
unmittelbar 
der
        

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