Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162713
360 
Buch II. 
Mittelalter. 
Italien. 
Gothiseher Styl. 
110. 
eine zweite Jagdgesellschaft sieht, die einen Hohlweg des Ge- 
birges herabgekommcn ist; wiederum reich gekleidete Fürsten 
und Damen auf prächtig geschmückten Rossen, mit einem 
yGefolge von Jägern, mit Falken und Hunden. Ihr Weg hat 
sie zu drei offenen Sarcophagen geführt, welche "zur äusser- 
sten Linken des Bildes nebeneinander stehen und in denen 
man drei Fürstenleichen in den verschiedenen Stadien der 
Verwesung, von ekelhaftem Gewürm umkrochen, erblickt. 
Daneben steht S. Macarius, ein Greis im höchsten Alter, 
von. zwei Krücken gestützt und weist, gegen die Fürsten 
gewandt, auf dies bittere Memento mori hinab. Diese sprechen, 
wie es scheint, fast gleichgültig über den Vorfall; einer von 
ihnen hält die Nase vor dem üblen Geruche zu. Nur die 
eine königliche Reiterin stützt ihr anmuthsvolles Gesicht be- 
trübt in die Hand und schaut tief ergriffen vor sich hin. 
Auf der Höhe des Berges, über dem Hohlwege, sieht man. 
einige Eremiten, Welche im Gegensatz gegen diejenigen, die 
den Freuden der Welt nachgehen, in einem beschaulichen, 
bedürfnisslosen Leben das höchste Ziel menschlichen Alters 
erreicht haben. Einer von ihnen melkt eine Hirschkuh, Eich-- 
kätzchen spielen um ihn her  ein andrer sitzt und liest; ein 
dritter schaut in das Thal hinab, wo die Leichen der Mäch- 
tigen vermodern.  Es wird uns überliefert, dass unter den 
in diesem Gemälde vorkommenden vornehmen Personen ver- 
schiedene Portraits von Zeitgenossen des Künstlers enthalten 
selen. 
5. Die zweite grosse Darstellung ist das "Weltgericht". In 
diesem Werke herrscht eine eigenthümlich symmetrische, fast 
architektonische Strenge der Composition, welche jedoch für 
den Gesammteindruck um so mächtiger wirkt und Welche im 
Einzelnen gleichwohl noch Raum zu mannigfach geistreiehen 
Motiven gelassen hat. Oben, in der Mitte, sitzen Christus 
und Maria in gesonderten Glorien. Er wendet sich links, 
nach der Seite der Verdammten, indem er seine Seitenwunde 
entblösst und den rechten Arm in drohender Geberde erhebt, 
eine Gestalt voll hohen, majestätischen Zornes. Maria zur 
Rechten des weltenrichtenden Sohnes, ist das Bild der himm-
        

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