Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162569
Giotto. 
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z. B. bei Duccio schon das Herannahen eines vollendeten 
Idealismus anzukündigen schien, hat Giotto die Kunst wieder 
Weit ab auf andere Bahnen geführt. Ihm war es überhaupt 
weniger um Schönheit, als, zur Verständlichung seiner neu 
erfundenen Darstellungen, deren Bedeutung durch keine ältere 
Ueberlieferung gegeben war, um Charakteristik zu thun. 
Doch sieht man im Einzelnen auf seinen Gemälden manche 
anmuthige Köpfe, und das Ganze ist stets in schönen Ver- 
hältnissen, WO es nöthig war auch in einer eigenthümlich 
feierlichen, einfach melodiösen Weise geordnet. Seitdem 
Untergange der alten Kunst zeigt sich hier zum erstenmal 
Wieder ein zu gesetzmässiger Durchbildung gelangtes Gefühl 
für schöne Vertheilung im Raum, welche er mit der Leben- 
digkeit des Ganzen in Einklang zu bringen wusste. Die 
Ausführung im Detail ist freilich durchweg meist flüchtig und 
mehr andeutungsweise; es konnte auch diese seinen beson- 
deren künstlerischen Absichten minder nahe liegen. Das 
Bindemittel, dessen er sich zum Farbenauftrage bediente, ist 
flüssiger und minder zähe als das bisher gebrauchte und 
gestattete der Hand eine grössere Leichtigkeit; auch hat das- 
selbe Wenig nachgedunkelt. 
Sein höchstes Verdienst bleibt immer, wie wir bei den 2. 
Fresken in Padua angedeutet, dass er der Kunst eine Menge 
völlig neuer Gegenstände zugeführt, an allen Handlungen und 
Situationen das Geistige und Lebendige gefunden und hervor- 
gehoben und den Moment wie kein früherer Maler der christ- 
5011911 Zeit darzustellen gewusst hat. Ein anderes, kaum 3. 
minder wichtiges Element ist bei ihm die Charakteristik, und 
er hat dieselbe mit so glücklichem Erfolge geübt, dass seine 
Zeitgenossen wohl gerade durch diesen Umstand von der 
bisher ungekannten Lebendigkeit seiner Darstellungen über- 
rascht wurden. (Seine Wenigen Bildnisse haben eine innere 
Gewähr lebensvoller Aehnlichkeit; jenes abgesagte Frescobild 
 jetzt in der Kirche des Laterans  welches Bonifaz VIII. 
zwischen zwei Geistlichen, das J ubileum verkündigend, dar- 
stellt, lässt in den Zügen des Papstes eine geistvolle Ver- 
einigung von Schlauheit und Festigkeit mit würdigen Formen
        

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