Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162404
g, 99, Wie weit die Einwirkung der Toskaner des XIII. l-v 
Jahrhunderts auf das übrige Italien reichte, lässt sich kaum 
mehr ausmitteln. S0 ist es z. B. ungewiss, 0b die neapo- 
litanische JMalerei ihre Befreiung vom byzantinischen Styl, 
welcher wir oben (S. 310) erwähnten, völlig aus eigenen 
Mitteln errungen hat. Ein Maler Tommaso degli Ste- 
fani, Welcher 1230 bis 1310 gelebt haben soll und gewöhn- 
lich in Parallele mit Cimabue genannt wird, ist für uns so 
gut als verloren, indem sein einziges bekanntes Werk, die- 
Fresken der Passion in der Capella Minutoli i1n Dom von 
N eap el dermassen übermalt und gemisshandelt ist, dass man 
höchstens sagen kann, der Maler sei kein Byzantiner ge- 
Wesen. Eine besser erhaltene Arbeit, das Mosaik einer klei- 2. 
nen Nische in Santa Restituta (dem alten Dom) zu 
Neapel, welches die thronende Madonna zwischen dem h. 
Januarius und einem andern Heiligen darstellt und um 1300 
verfertigt sein soll, zeigt eine ähnliche Verbindung freicrer, 
würdigerer Formen mit feiner byzantinischer Ausführung, 
wie einzelne toskanische Arbeiten, gestattet aber keine engere 
Verknüpfung mit denselben. Neapel stand damals unter der 
Herrschaft des Hauses Anjou, welches der Malerei namhafte 
Beförderung gewährte und vielleicht sogar einen Einfluss der 
französischen Kunst auf die neapolitanische vermittelte. Eine 3. 
französische Handschrift des "Tristan", welche wahrscheinlich 
gegen Ende des XIII. Jahrhunderts an diesem Hofe ent- 
standen und von einer italienischen Hand mit zahlreichen 
Miniaturen versehen ist (jetzt in der kaiserl. Bibliothek 
zu Paris), zeichnet sich durch zierliche Ausführung, edlen 
Typus der Köpfe, schlanke Verhältnisse und geschickte An- 
ordnung aus; auch fehlt es nicht an feinen individuellen 
Zügen und Spuren von Ausdruckf). Auffallend edel sind für 
jene Zeit die Pferde gebildet, welche gerade in den wichtig- 
sten deutschen Miniaturen jener Zeit, z. B. in dem Manesseä- 
sehen Codex, ausserst ungeschickt und plump erscheinen. 
Da wir den Zustand der neapolitanischen Malerei unter den 
7 
Waagen, 
Kunstw. 
Künstler in Paris, 
315.
        

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