Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162338
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Buch II. 
Mittelalter. 
Italien. 
Romanischer Styl. 
dellirung des Nackten, eine entschiedene und nicht unglück- 
liche Annäherung an die Antike; eine dieser Genien hat auch 
eine auffallende Aehnlichkeit mit denjenigen, welche in der 
classisehen Kunst mit gesenkter Fackel zu den Seiten der 
Sarkophage zu stehen pflegen.  Am fünften Gewölbe sieht 
man die Gestalten der vier vorzüglichsten Kirehenlehrer, in 
denen man jedoch nicht die Hand des Cimabue selbst, son- 
dern eines seiner Nachahmer erkennen Will. 
 -Wichtiger noch sind die Malereien, Womit Cimabue den 
oberen Theil der Wände des Langschiffes, zu den Seiten der 
Fenster, ausschmückte. Auf der linken WVand, vom Chore 
aus gesehen, stellte er hier die Geschichten der Genesis und 
der Patriarchen des alten Testanientes, auf der rechten die 
Begebenheiten der Geburt und der Passion Christi dar. Die 
vorzüglichsten unter den erhaltenen dieser Gemälde sind: 
Joseph mit seinen Brüdern, die Hochzeit zu Kana, die Ge- 
fangennehmung Christi und die Abnahme von Kreuz. Auch 
diese zeigen noch die Schule der byzantinischen Kunst, zu- 
gleich aber das Todte, Starre und Hässliche derselben bis 
auf einen gewissen Grad bereits vollkommen beseitigt; in 
ihnen ist es dem Künstler gelungen, die lebendige Entwick- 
lung eines besondern, vorübergehenden Momentes, in Gruppi- 
rung der Massen, in Stellung und Geberde der einzelnen 
Personen, bereits genügend und mit Sicherheit festzuhalten. 
Freilich erkennt man auch hier noch,  ähnlich wie bei den 
genannten Kuppelgemälden im Baptisterium von Parma,  
wie der Geist des Künstlers gerungen, um der überlieferten 
Form den Ausdruck einer lebendigen Idee aufzuprägen; 
jedoch ist hier jene Leidenschaftlichkeit in den Bewegungen 
der dargestellten Personen durch einen eigenthümlichen Zug 
von Grossheit und Würde bereits erfreulichst gemässigt. 
Aber nur bis auf einen gewissen Grad hat der Künstler die 
Belebung seiner Gestalten durchzuführen vermoeht, soweit es 
nemlich zu jener bestimmten Darstellung einer besonderen 
Handlung nöthig war; Alles, was zur weiteren Nachahmung 
der Natur in ihren einzelnen Eigenthümlichkeiten, was zur 
Auffassung selbständig schöner Motive gehört, mangelt noch
        

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