Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162317
320 
Buch II, 
Mittelalter. 
Italien. 
Romanischer Styl. 
Von dem grossen Mosaik, Welches die IIaupt-Tribune des 
D 0m e s v0 n P i s af) schmückt, einem riesigen Christus, zu des- 
sen Seiten Johannes der Täufer und Maria stehen, ist der grösste 
Theil, dokumentlichen Nachrichten zufolge, von Cimabue 
gegen das Ende seines Lebens ausgeführt worden. Doch 
scheint bei der Gestalt Christi der Geist des Künstlers durch 
den vorgeschriebenen kirchlichen Typus gebunden gewesen 
zu sein; wenigstens ist hier noch völlig der starre, byzan- 
tinische Typus befolgt, während in der Gestalt des Johannes 
schon eine lebendigere Bildung des Kopfes und eine natur- 
gemässere Bewegung hervortritt. 
5. Ungleich wichtiger jedoch, als die beiden genannten Altar- 
tafeln, sind die grossen Wandmalereien, welche dem Cimabue 
in der Oberkirche des h. Franciscus zu Assisi zugeschrieben 
werdenwf); erst in diesen zeigt sich sein grosses Talent in 
vollständiger Entwickelung. Wir dürfen die Klosterkirche 
des h. Franciscus zu Assisi als einen der bedeutendsten 
Punkte für die Entwickelungsgeschichte der neueren Malerei 
betrachten. Schon für die Architekturgeschichte ist sie be- 
merkenswerth, indem sie, in der ersten Hälfte des XIII. Jahr- 
hunderts, durch fremde Baumeister in dem für Italien damals 
noch fremden gothischen Baustyle errichtet wurde; ebenso 
durch die eigenthümliche Anlage zweier fast gleich ausge- 
dehnter Kirchen übereinander, von denen die untere ursprüng- 
lich die Grabkirche des h. Franciscus bildete, und nur die 
obere für den gewöhnlichen Gottesdienst des Klosters be- 
stimmt war. Die grosse Verehrung dieses heiligen Ortes 
zeigt sich vornehmlich in dem reichen Schmuck von Wand- 
gemälden, womit die Kirche im XIII. und XIV. Jahrhun- 
derte bedeckt wurde. Der neue Orden erscheint hier in einer 
merkwürdigen 
Causalverbindung 
mit 
der 
IIBUGII 
Malerei. 
99) E. Förster, Beiträge zur neuern Kunstgeschichte, S. 97 1T, 
H") Die Gründe, welche Hr. v. Rumohr, Ital. Forsch. II, S. 30, 
für die Aechthßit jener beiden Madonnenbilder beigebracht, dürften, 
Ywie es scheint, ihre Anwendung auch auf die genannten Wandmalereien 
finden.  Vergl. Fr. K. im Tüb. Kunstblatte 1827, N0. 28, 34, 35, 
38-40. 
        

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