Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162283
ä 
A. Tafi. 
Apollonius. 
Toscana. 
Assisi. 
317 
Anfang des XIII. Jahrhunderts hat wohl einen andern Zu- 
sammenhang als diesen. Man übersehe nicht, dass mit Aus- 
nahme von Pisa die hohe Blüthe des Landes und seiner 
Hauptstadte, somit auch ihrer Bauten, erst damals beginnt, 
dass aber das neu entstandene Bedürfniss nach Mosaiken die 
zierliche venezianische Technik der ungleich rohern römischen 
und der abgelegenern normannisch- sicilisehen vorziehen 
milsste. Dass mit der Technik auch der Styl herüberkam 
(wenn er nicht schon vorher da war) und dass er sich auch 
in andern Gattungen der Malerei geltend machte, ist nicht 
befremdend und lässt sich z. B. mit der Analogie der flan- 
drisehen Oelmalerei läelegen, deren Ausbreitung fast überall 
auch etwas flandrischen Realismus in ihrem Gefolge ge- 
habt hat. 
ä. 95. In den bisher genannten toskanischen Werken 
war der formelle Iilortschritt ein kaum merklieher gewesen; 
doch zeigten sich, Wenigstens bei Guido, Anfänge neuer Be- 
lebung im Ausdruck und in der Auflassung der Köpfe. Erst 
die zweite Hälfte des XIII. Jahrhunderts brachte die neue Rich- 
tung zur Reife. Hier müssen wir nun auch der grossen 
Neuerungen in dem damaligen Culturleben Italiens vorliiuüg 
in Kürze gedenken, weil von hier an die toskanische Kunst- 
cntwicliclung nur im Zusammenhang mit. demselben verständ- 
lich ist.. Das XIII. Jahrhundert hatte mit Innocenz III. be- 
gonnen, dem Sieger über die Häresie und über alle Welt- 
liche Gewalt; in den machtvollsten Schwingungen bebte die 
religiöse Begeisterung durch Italien. Der heilige Franz 
von Assisi erfüllte mit seiner glühenden Innigkeit die Ge- 
müther nah und fern. Wie hätte solchen Stimmungen eine 
kirchliche Kunst genügen sollen, wie die byzantinische war, 
so ganz versunken und verdorrt in Formen und Gedanken? 
Üeber kurz oder lang mussten diese Schranken durchbrochen 
werden durch das Streben nach Seclenausdruck. Aber andere 
geistige Richtungen, welche mit der genannten parallel gingen, 
mussten die Kunst noch weiter, bis zur gänzlichen Befreiung 
führen. Die Nationalität des neuern Italiens entwickelte sich 
überhaupt erst damals vollständig, und äusserte sich z. B.
        

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