Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162272
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Buch II. 
Mittelalter. 
Italien. 
Romanischär Styl. 
9. Von sehr verschiedenen Händen und aus verschiedenen Zeiten 
sind die Mosaiken der grossen achteekigen Hauptkuppel, 
Welche in mehrern concentrischen Streifen angeordnet sind, 
Wovon der innerste Schaaren von Engeln, der zweite die 
{Geschichten der Genesis, der dritte das Leben Josephs, der 
vierte das Leben Christi und der fünfte das des Üfiiufers Jo- 
10- hannes enthält.  Zunächst vor der Nische werden diese 
Streifen unterbrochen durch einen thronenden Christus von 
riesiger Grösse, Welcher nebst den Engelschaaren das Werk 
eines bei den griechischen Musaicisten in Venedig gebildeten 
Florentiners Andrea Tafii") (l213-1294) sein soll. Es 
ist eine Gestalt von streng byzantinisehem Typus, allein mit. 
einer gewissen Formenfülle und Würde, welche von der ver- 
trockneten Schwäche der damaligen Byzantiner sehr verschie- 
den ist. Die Ausführung ist fein und zierlich, die Gold- 
ILsehrafIirung sehr consequent durchgeführt.  Bei andern 
Theilen der Kuppel soll der Grieche Apollonius mitge- 
arbeitet haben, welchen Tafi (nach Vasarfs Aussage) zur 
Üebersiedlung von Venedig nach Florenz bewogen hatte. Schon 
diess ist unzuverlässig; wenn man aber den Apollonius zu 
einer ganzen Schule von Griechen in Florenz erweitert und 
deren Einwanderung mit dem Fall von Konstantinopel in 
Verbindung bringt, so steht diess Alles in der Luft. Aller- 
dings War Venedig in jener Zeit die nächste Quelle eleganter 
und feiner byzantinischer Mosaiktechnik; aber es ist sehr 
die Frage, ob auch nur in Venedig eine grössere Anzahl 
geborener Griechen arbeiteten und 0b nicht vielmehr selbst 
die venezianisch-byzantinische Kunst schon seit Anfang des 
XII. Jahrhunderts sich selbst überlassen geblieben warmii). 
Ueberhaupt legt man Wohl auf jene letzte griechische Künstler- 
übersiedelung ein zu grosses Gewicht. Das plötzlich schei- 
nende Auftauchen byzantinischer Kunstformen in Toscana zu 
ü) Ueber Malereien eines gleichzeitigen florentincr Künstlers Coppo 
di Mareovaldo in Siena (S. Maria di Servi) 11- Pistoja S- CYOWC 11- 
Cavalcaselle I, 200.  
am) S. Rumohr, a. a. O. I, S. 349 u. f.
        

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