Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162222
Unteritalien. 
Otranto. 
Die Lombardei. 
311 
ä. 93. Auch in der Lombardischen Malerei lässt 1. 
sich eine starke Gährung zu Anfang des XIII. Jahrhunderts 
nicht verkennen. Hier, wo die byzantinische Kunst vielleicht 
nie zu einem entschiedenen Üebergewicht gelangt war, taucht 
ein Element auf, was auch in deutschromanischen Werken 
öfter auffällt: die heftige dramatische Bewegung. Das wich- 2- 
tigste Denkmal sind wohl die Wandmalereien im Baptisterium 
zu Parma, vornehmlich die an der Decke befindlichen, 
Welche vermuthlioh um das Jahr 1230 ausgeführt sinda"). Sie 
sind in drei Abtheilungen getheilt: in der obersten befinden 
sich die Apostel und die Symbole der Evangelisten; darunter 
die Propheten und andre Männer des alten Testamentes (in 
einer Nische Christus mit der Maria und Johannes dem Täu- 
fer); in der dritten Reihe, zwischen den Fenstern, sind zwölf 
Scenen aus dem Leben des Täufers Johannes,  neben den 
Fenstern stets zwei Heilige, dargestellt. Auch hier zeigt 
sich in der Technik noch alle Härte, welche" den byzantini- 
schen Darstellungen eigen ist; zugleich aber, neben einer 
kräftigen und blühenden Farbe, eine eigenthümliche, selbst 
bis zur Üebertreibung durchgeführte Leidenschaftlichkeit in 
den Bewegungen. Der Engel, der verschiedene Male vor- 
kömrnt, scheint den Boden kaum zu berühren, so hastig 
schreitend tritt er auf; die Jünger, die zu Johannes in die 
Wüste treten, scheinen ebenfalls in der grössten Eile begriffen; 
vermuthen, dass die Schule überhaupt nicht viel älter sei als das 
XV. Jahrhundert. Wenn sie übrigens auch nur älter ist als der Ein- 
fluss der Handrischen Schule auf die neapolitanische (wovon unten), so 
ist die beträchtliche Ausbildung der Landschaft schon wichtig genug, um 
eine genaue Untersuchung zu veranlassen.  Otrantische Bildchen kom- 
men im Kunsthandel nicht allzuselten unter allen möglichen Firmen vor. 
ü) Fr. K. im Tüb. Kunstblatt 1827, N0. 6-8.  Weiteres bei 
Lanzi, Uebers. v. Quandt und Wagner II, S. 294 u. f.  Ueber 
die ältesten Gemälde in Cremona, ebenda S. 343 u. f, in Mailand und 
Umgegend, ebenda S. 378 u. f.  Für Bologna vgl. Bd. III. S. 4 u. f. 
(eine byzantinische Anbetung des Lammes in S. Stefano).  Für Fer- 
rara Bd. III, S. 192 u. f. (ein für das XIII. Jahrhundert merkwürdiger 
Auftrag des Azzo von Este an den Maler Gelasio im Jahre 1242 
Phaätods Sturz zu malen.)  Für Genua III, S. 245 (Gemälde von 
1101 über einem Stadtthor von Savona).
        

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