Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162143
Rom. 
Mosaiken von S. Clemente u. S. Paolo. 
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füllt, aus dessen mittlerem Stamm ein Crucifix mit zwölf Tau- 
ben emporspriesst; zu beiden Seiten des Kreuzes erblickt 
man Maria und Johannes, unten an der Wurzel die Para- 
diesesströme, an Welchen sich Pfauen und Hirsche laben. 
Auf und zwischen den Ranken schweben Vögel und kleine 
menschliche Figuren, u. a. die 4 Kirchenlehrer. Unter der 
Ilalbkuppel, wie gewöhnlich, die 13 Lämmer. An der Nischen- 
wand oben ein Brustbild Christi und die Symbole der Evan- 
gelisten, dann auf jeder Seite beisammensitzend ein Heiliger 
und ein Apostel; weiter unten auf jeder Seite ein Prophetk). 
An die Stelle jener byzantinischen Raumüberfüllung, welche 
sich um die architektonische Wirkung gar nicht kümmerte 
(wie z. B. in S. Prassede), ist hier eine wohlthuende und 
einfache Anordnung getreten. Die Figuren sind in Verhält- 
nissen und Ausbildung jenen von S. M. in Trastevere ahn- 
lich und ebenfalls durchaus abendländisch; besonders die vier 
sitzenden zeichnen sich durch eine lebendige Wendung aus, 
welche man in den römischen Mosaiken der vorhergehenden 
Periode vergebens suchen würde.  Mit dem Anfange des 4, 
XIII. Jahrhunderts, als unter dem grossen Innocenz III. die 
Kirche ihre höchste Machtfülle erreichte, erscheint wenigstens 
in einzelnen Kunstwerken die byzantinische Ueberlieferung 
schon völlig überwunden, wie z. B. in der geschnitzten Pforte 
von S. Sabina auf dem Aventin. Freilich giebt diese als 
Sculpturwerk hier keinen unbedingten Massstab H); auch 
dauern die Rückfälle und die Anklänge an jenen scheinbar 
schon beseitigten Styl das ganze Jahrhundert hindurch. So 5, 
ist z. B. das gigantische (stark restaurirte) Mosaik der Chor- 
 Die Apostel, welche an der Wand der Chemische gemalt sind, 
können in ihrem gegenwärtigen Zustande nur für ein Werk des Gio- 
venale da Orvieto (um 1400) gelten. 
H) Dieselbe dramatisch lebendige Bewegung, welche dieses Werk 
so merkwürdig macht, scheint den jetzt erloschenen Wandgemälden 
(Scenen des Klosterlebens) im Abteigebäude alle tre fontcme bei Rom 
eigen gewesen zu sein, welche ebenfalls unter Innoeenz III. entstanden. 
Flüchtige Abbildungen bei D'Agincourt, a. a. O. Taf. 97. Die Ma- 
lereien der Vorhalle, ebenfalls XIII. Jahrhundert, waren von einer an- 
dern, geringern Hand. S. ebenda Taf. 98.
        

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