Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1162002
Friihste 
Todtentänze. 
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vor der h. Jungfrau knienden Stifter sammt seinen Begleitern 
dar. Der gothische Styl ist hier noch in einer ernsten, feier- 
lich! statuarischen Weise gehandhabt.  Dagegen lassen die 3. 
gemalten Theile eines Altarschreins in der Kirche zu Tie fen- 
bronn (zwischen Calw und Pforzlieim), im Jal1re143l von 
Lucas Moser von Weil verfertigt, einen Uebergang zu 
der Art und Weise des XV. Jahrhunderts erkennen, ob- 
schon die Anmuth, Milde und Innigkeit des entwickeltem 
gothischen Styles noch in hohem Grade vorherrscht. Es 
sind mehrere Darstellungen aus der Legende der h. Magda- 
lena und ihrer Familie, nebst andern Heiligen und dem Gleich- 
niss der zehn Jungfrauen, auf lillügel, Nebenseiten und Staffel 
des Schreins vertheilt   Einige Malereien launigen Inhalt-s, 4_ 
von weicherer und vollerer lilormenbiltlung, finden sich in 
einem Gemach des Ehingerhoies zu Ulmlel).  Endlich sieht 5. 
man in der Liebfrauenkirche zu Halberstadt, in 
einer Nische des südlichen Kreuzflügels, eine Darstellung des 
Todes Maria, welche sich durch den Adel der Gestalten, so- 
wie durch die Ausbildung schöner, würdiger Charaktere aus- 
zeichnet  
ä. 86. In die Zeit. des entwickeltem gothischen Styles 1. 
fallen auch die ersten Beispiele der Todtentänze, umfang- 
reicher Gemäldereihen, welche hie und da ganze grosse 
Kreuzgänge oder Klostermauern einnahmen. Einzelne Men- 
schen aus allen Ständen und Gewerben, vom Papst und 
Kaiser bis zum Bettler, werden jedesmal von einem halb oder 
ganz verwesten Gerippe angepackt, welches in der Bewegung 
des Tanzes abgebildet ist; bisweilen kommt auf mehrere Per- 
'39) In einer der Inschriften klagt der Maler: Sclzrie Kunst, schrie 
12ml klug (Zieh scr: rlin beycrt jecz Niemen wer. Befand er sieh 
vielleicht im Nachtheil gegen die damals aus den Niederlanden herauf- 
kommende realistische Kunstweise? oder ist es bloss eine jener allge- 
meinen Klagen, welche aus allen Epochen der Kunst vorhanden sind? 
H) Grüneisen und Manch, Ulrns Kunstleben im Mittelalter, 
S. 10. 
499W) Teppich vom Anfang des XV. J. im Fürstensaal zu Regens- 
burg, von Passavant beschrieben im Kstbl. 1846. N0. 61.  
Kugler Malerei I.  19
        

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