Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161989
Ausläufe 
der 
Kölnisehen Schule. 
287 
Hier ist endlich noch ein vereinzeltes Werk aus Göttingen 3.. 
zu erwähnen, Welches ebenfalls die weite Ausdehnung des 
Styles der Schule Wilhelms zu beweisen geeignet ist: das 
mächtige und umfangreiche Altarwerlä der ehemaligen Pau- 
linerkirche zu Göttingen (jetzt. im Erdgeschoss der Biblio- 
thek, welche einen Theil dieser Kirche ausmacht), das im 
Jahre 1424 Wahrscheinlich an Ort und Stelle von Bruder 
Heinrich von Duderstadt gemalt wurde. Der Zeit nach 
fällt dasselbe allerdings mit der spätesten und höchsten Ent- 
wickelung der kölnischen Schule zusammen, geht jedoch im 
Styl noch nicht über die Darstellungsweise Wilhelms hinaus 
und erreicht die Schönheit und Hoheit desselben lange nicht. 
Das Werk ist etwa 9 Fuss hoch, und ohne die Flügel 12 
F uss breit, also eine der grössten erhaltenen Altartafeln jener 
Zeit. Bei geschlossenen Flügeln sieht man auf violettem, 
goldgestirntem Grund vier sinnbildliche Darstellungen in Bezug 
auf Maria und die Passion, sämmtlich von etwas roher Arbeit. 
Eine von diesen Scenen zeigt, wie bisweilen in der Kunst 
eine ganz subjektiv-willkürliche Symbolik mit der ebenfalls 
subjektiven Andacht der Mystiker jener Zeit Hand in Hand 
ging: man sieht die Maria sitzend, von Engeln umgeben, in 
der einen Hand einen gekreuzigten, in der andern Hand einen 
triumphirenden, auf dem Schooss einen im Sarge liegenden 
Christus. Beim Oeffnen der Aussenflügel erblickt man unter 
Baldachinen auf Goldgrund die fast lebensgrossen zwölf 
Apostel, wovon je drei auf die Innenseiten der Aussenflügel 
und die Aussenseiten der Innenüügel kommen; würdige, zum 
Theil selbst grossartige Gestalten von bestem kölnischem 
Typus, vielleicht einem ältern, vortrefflichen Werke nach- 
geahmt. Oeffnet. man auch die Innenflügel, so erscheint als 
Mittelbild, offenbar von derselben Hand, eine Kreuzigung 
auf Goldgrund, welche jedoch in Composition und Zeichnung 
ziemlich ungeschickt und mangelhaft ausgefallen ist, weil etwa 
der Maler sich hier mehr der eigenen Erfindung überliess. 
Achtzehn kleinere Bilder auf den Innenseiten der Flügel und 
an beiden Rändern des Mittelbildes enthalten die übrigen 
Scenen der Passion. Eine gewisse Derbheit der Umrisse in
        

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