Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161959
284 
Buch II. 
Mittelalter. 
Der Norden. 
Gothiseher Styl. 
innere Neigung zum Naturalismus geltend, welche ihr Lebens- 
princip rasch zersetzten. Indem wir diesen Uebergang einem 
der folgenden Abschnitte vorbehalten, muss hier nur noch 
erwähnt werden, dass einige Werke aus verhältnissmäissig 
später Zeit die altkölnische Darstellungsweise wenigstens in 
9. einzelnen Anklängen beibehalten. Eine Tafel mit dem Ge- 
kreuzigten zwischen hiaria und Johannes  ziemlich grosse 
Figuren auf Goldgrund  im kölnischen hluseum, trägt die 
Jahrzahl 1458 (nebst den Namen des Stifters Werner Wil- 
merinki), und gehört in der etwas naturalistischen Gesamint- 
auffassung und in den eckigen Falten schon völlig der neuen 
Richtung an, während die Grundlage der Körper- und Ge- 
sichtsbildung und manches in den Hauptmotiven der Gewan- 
10.dung noch altkölniseh ist.  Ein Altarbild in einer der nörd- 
lichen Seitenkapellen von St. Andreas in Köln, Maria mit 
dem Kinde, von zwei Heiligen und vielen Knienden um- 
geben, ist vom Jahre 1474 und lässt doch z. B. in der IIal- 
tung der Madonna und in andern Dingen ein Element der 
alten Schule nicht verkennenö), 
1. ä. 83. Eine eigenthümliche Verzweigung der Schule 
von Köln und zwar wesentlich in der von WVilhelm aufge- 
stellten Bildungsweise, zeigt sich in der ersten Hälfte des 
XV. Jahrhunderts in Westphalen. Leider ist jedoch die 
Geschichte der altern westphäilischen Kunst sehr im Dunkeln, 
da es hier bis auf die neueste Zeit an Interesse für Erfor- 
schung und Sicherung der Momente gefehlt hat und auch 
gegenwärtig dieses Interesse nur erst von Wenigen getheilt 
2, wird.  Zunächst ergiebt sich das Verhältniss der west- 
phälischen Schule zu der von Köln aus einigen, ehemals im 
Kloster St. Walburg zu Soest befindlichen Gemälden, die 
gegenwärtig in dem Provinzial-llluseuln zu Münster aufbe- 
wahrt werden Das frühste von diesen, ein grosses Altar- 
ü) Ueber kölnische Einüüsse auf niedersächsische, bayrische, öster- 
reichische Kunst vergl. Waagen D. Kstbl. 1650, S. 323 ff. 
w) Vgl. Becker, im Museum, 1836, N0. 47, S. 374 u. f.  P 8' 
savantJm Kunstblatt 1841, N0. 100.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.