Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161896
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Buch II. Mittelalter. 
Der Norden. Gothischer Styl. 
nen Höhe hält. In allen wesentlichen Beziehungen ist der 
Maler offenbar frei und selbständig geblieben 
 ä. 80. Ein rein erhaltenes und nur sehr wenig verletztes 
Bild des Stephan, allerdings nur von kleinem Massstabe, von 
Hotho und lrVaagen für sein frühestes Werk gehalten, 
zeigt nicht nur alle Vorzüge seiner Auffassung, sondern 
auch die hohe Durchbildung seiner Technik, und zwar 
letztere vollständiger als das Dombild in seinem jetzigen 
Zustande: die Madonna in der Rosenlaube, früher im Be- 
sitz des Banquiers Herrn von Herwegh zu Köln, jetzt im 
dortigen Museum. Maria sitzt mit holdseliger Miene, 
das Christuskind im Schoose haltend, auf einer blumenreichen 
Wiese, über ihr eine Laube von Rosen; hinten an einer Ro- 
senbank schauen anbetend mehrere kleine Engel herein; 
einige reichen dem Kinde Aepfel, und vorn sitzen noch zwei 
Engelchen zu jeder Seite und musiciren; oben, in goldnen 
Wolken, thront Gott-Vater; dabei schwebt die Taube des 
heil Geistes. Die Madonna hat dieselbe hohe Idealität wie 
die Himmelskönigin des Dombildes, nur ist hier auch der 
Kopf in seiner ganzen plastischen Schönheit und Würde er- 
halten; das Kind ist heiterer und naiver als dort, und wenig- 
stens theilweise eben so anmuthig und edel gebildet. In den 
Gestalten und Geberden der kleinen Engel,  wie sie das 
Christuskind anblicken, ihm ihre Gaben dar-reichen, u. s. w, 
 ist das Holdselig-kindliche mit der tiefsten Innigkeit ge- 
paart. Auf dem Boden der heitersten, unschuldigsten Ge- 
müthsstimmung entwickelt sich hier überhaupt eine ahnungs- 
volle Tiefe der Empfindung, welche bloss in Fiesole ihr Ge- 
genstück findet, nur dass dieser in seiner ekstatischen Be- 
fangenheit nicht leicht zu einer so vollkommenen Naivetät 
gelangte. Das Colorit ist von grösster Klarheit und Zartheit 
und im Nackten durchaus licht und ideal, wie von einem 
zarten Perlschimmer durchhaucht. In diesem Bilde ist eine 
Stimmung verkörpert, welche man mit derjenigen der süssesten 
Minnelieder vergleichen möchte. 
 ä. 81. Ausser diesen Werken ist kaum noch irgend 
Etwas vorhanden, was mit Sicherheit derselben Hand zuzu-
        

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