Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161880
Stephan 
VOII 
Köln. 
277 
die kindliche Anmuth des vMeisters zu einer klassischen 
Reinheit der Form und zum schönsten, reizvollsten Ausdruck 
steigert. 
In mehr als einer Beziehung ist dieses Werk ein Mark- 5. 
stein nordischer Kunst. Man möchte glauben, es habe sich 
damals noch gefragt, 0b die deutsche Malerei einen durch- 
gebildeten, allseitigen Idealismus aus sich heraus gebären 
würde oder nicht, und um so unbegreiHicher erscheint das 
S0 baldige und völlige Verschwinden dieser so gross ange- 
legten Richtung vor dem rasch eindringenden flandrischen 
Realismusa"). Vor der Hand genügt es indess, auf die ersten 
Spuren des letztern in diesem YVcrke selbst aufmerksam zu 
machen. Zwar ist dasselbe nicht in Oelff), sondern wie alle 
altern deutschen Tafelbilder in Tempera gemalt; allein die 
Wirkungen, Welche damals die Brüder van Eycla durch die 
Technik ihrer Oelmalerei zum Erstaunen der Welt hervor- 
brachten, sind hier durch Hinzufügung eines ebenfalls höchst 
vorzüglichen, den Nürnbergern und Kölnern eigenen Binde- 
mittels (welches wir nicht mehr kennen) auf das Sinnreichste 
nachgeahmt; so z. B. die blendende Spiegelung der Rüstun- 
gen, das Schillern der Gewandstoffe, viele Einzelheiten des 
Costüms und dergl. mehr. Damit sind noch andere Aeusser- 
liehkeitcn der flandrischen Darstellung auf Stephan überge- 
gangen, z. B. manche schon eckig gebrochene Falten, doch 
so, dass im Ganzen noch der grosse, ruhige Blaltemvurf des 
gothischen Styles vorherrscht. Dagegen ist der naturalistische 
Zug in manchen Figuren wahrscheinlich als Stephans Eigen- 
thum oder vielmehr als ein der deutschen Kunst überhaupt 
innewohnender Antrieb zu betrachten, da er nicht wie bei 
den flandrischen Malern in das streng Individuelle, Portrait- 
mässige übergeht, sondern sich auf einer gewissen allgemei- 
 Das Jahr 1426 ist das Todesjahr des Hubert van Eyek und 
der Beginn der höchsten Blüthezeit seines Bruders Johann. 
H) Im Gegensatz zu dieser Behauptung erklärt Waagen (Handb. 
(L Gesch d_ Malerei Th, I, S. 158), dass das Donibild sicher in Oel 
gemalt sei.
        

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