Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161809
Meister 
Wilhelm 
VOD. 
Köln. 
269 
eines der ergreifendsten Beispiele des frommen Ausdruckes, 
welcher dieser Schule eigen war. Das Antlitz Christi auf 
dem Schweisstuch (welches die Heilige ausgespannt vor sich 
hält) ist nicht ohne eine gewisse typische Grösse der Formen, 
aber im Ausdruck nicht sehr bedeutend. Unten zu beiden 
Seiten sitzen sechs niedliche kleine Engel lesend und singend 
beisammenm).  Endlich befinden sich in der Galerie der 8. 
Moritzkapelle zu Nürnberg zwei Bilder (ehemalige Aussen- 
flügel) mit den hh. Katharina und Elisabeth, von grosser 
Zartheit und Lieblichkeit der Köpfe, auf rothem, goldgestirn- 
ten Grunde, und mit diesen scheint die Reihe der bis jetzt 
bekannten unzweifelhaften WVerke dieser Hand abgeschlossen 
werden zu müssen. Zwar ündet sich ebendort noch eine vor- 9. 
treffliche Madonna in der Art des Wilhelm, allein der Ton 
des Fleisches ist zu bräunlich, die Farben zu entschieden und 
ungebrochen, als dass es ihm selbst zuzuschreiben wäre. (Das 
Kind hält eine Erbsenblüthe) H). 
ä. 7T. Welchen Einfluss Wilhelm auf Zeitgenossen und 1- 
 jüngere Künstler geübt, davon geben zahlreiche Sehulbilder 
ein hinreichendes Zeugniss. Man wird bei der Unterschei- 
dung verschiedener Hände in einem von aller Ueberlieferung 
entblössten Gebiet nicht vorsichtig genug zu Werke gehen 
können; doch lassen sich wohl mit einiger Sicherheit die auf 
dem Boden des ältern gothischen Styles stehenden, bloss im 
Einzelnen von Wilhelms Einfluss berührten Zeitgenossen von 
den eigentlichen Nachfolgern unterscheiden. 
i?) Das Bild ist sammt einer reichhaltigen Auswahl anderer aus 
der ehemaligen Boissereesehen Galerie durch das grosse lithographisehe 
Werk Strixner's „Saminlung alt-, nieder- und oberdeutscher Gemälde 
der Brüder S. und M. Boisseree etei", bekannt geworden. Es trägt 
dort die Bezeichnung "byzantinisch-niederrheinisch", welche u. W. 
zuerst in Göthds "Kunst und Alterthum" auf denjenigen Styl ange- 
wandt werden war, welchen wir den gothisehcn nennen Es bedarf 
nach dem bisher Gesagten keiner weitem Widerlegung dieses irrigen 
Namens, weicher auch bereits überall aufgegeben ist. 
M") Waagen Kunstw. u. Künstler in Deutschland I., S. 16b u. f.  
Passavant, Kunstblatt 1841, N0. S9, beschreibt sieben Holzschnitte 
des Münchner Kupfersticheabinetes, welche sehr entschieden in der Art 
und Weise des Wilhelm entworfen sind.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.