Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161741
Köln. 
Wilhelm von 
Meister 
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Der war der beste Maler in allen teutschen Landenö), als 
er ward geachtet von den Meistern. Er malet einen jeglichen 
Menschen von aller Gestalt; als hätte er gelebt-V Hieraus 
dürfen wir schliessen oder wenigstens vermuthen, dass der- 
jenige Maler, mit welchem die grosse Veränderung eintrat, 
eben dieser Wilhelm seidig), und dass das Aufkommen der 
11611611 Richtung ein grosses Aufsehen weit und breit erregte; 
denn die Erwähnnng eines Künstlers bloss um seines Ruhmes 
willen bei einem mittelalterlichen Chronisten, welcher nicht in 
derselben Stadt, ja nicht einmal in deren Nähe wohnte, ist 
eine der auffallendsten Erscheinungen. (Dagegen berechtigen 
die letzten angeführten Worte der Chronik nicht etwa zu der 
Annahme, dass Wilhelm eine realistische Kunstrichtung be- 
folgt habe; sie sind vielmehr der stehende Ausdruck mittel- 
alterlicher Verwunderung über jede Darstellungsweise, welche 
sich einigermassen dem Leben näherte). Der bequemem Be- 
Zeichnung wegen behalten wir übrigens den schon herkömm- 
lich gewordenen Namen eines „Meister Wilhelm" für eine 
Reihe vorzüglicher, einer bestimmten Hand angehörenden 
Werke der ersten Blüthezeit der Schule bei. 
Einem der nächsten Vorläufer dieses Malers mag ein 4. 
sehr verblichenes Wandgemälde zu S. Severin in Köln 
(in einem Nebenraume rechts von der Crypta) zuzuschreiben 
sein, welches Christus am Kreuz zwischen Maria, Johannes 
und sechs andern Heiligen darstellt. Die Gewandung hat 
ü) Nach einer andern Recension sogar: „in der Christenheit"; s. 
Passavant a. a. O. S. 405. 
H) In den kölnischen Urkunden kommt schon seit dem Jahre 1360 
ein Maler "Wilhelm von Herle" vor, welchen man gewöhnlich mit 
dem grossen Meister Wilhelm identifieirt. Allein diese Verlängerung 
um 20 Jahre stimmt mit manchen Entwiekelungsmomcnten  den 
unten anzufiihrenden Bildern nicht überein und würde zu der Annahme 
nöthigen, dass während einer so langen Künstlerlaufbalm WVilhelms die 
Kunst, welcher er einen so mächtigen Anstoss gegeben, auf gleicher, 
und zwar gleich anziehender Stufe geblieben sei, was den historischen 
Entwiekelungsgesetzen, wo bei höher erwecktem Leben stets neuer 
Fortschritt oder Verfall auf einander folgen, zuwider ist. Auch thut 
der Name wenig zur Sache.  
        

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