Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161726
Kölnische 
Schule. 
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sprechen, wie hier. Einen Idealismus der Form hat es noch 
oft gegeben und zwar, zumal wo die Antike sich als Vorbild 
geltend machte, mit ungleich grösserm Erfolge, als in de? S0 
betangenen altkölnischen Schule. Diese nimmt dagegen einen 
Idealismus des sittlichen Wollens in Anspruch, welchen Selbst 
die grössten Italiener des XVI. Jahrhunderts nicht in so un- 
getheiltem Sinne erstrebten noch erreichten. NLurITra Ange- 
ligo da Fiesole kommt hiemit in Vergleich. In ihm allein 
zeigt sich dasselbe Wollen, welches einzig auf die Darstellung 
des Göttlichen und Heiligen als solchen gerichtet ist. Mochte 
auch bereits die ältere gothische Malerei dasselbe Ziel ver- 
folgt haben, so hatte es doch wegen der Beschränktheit in 
der Formenbildung bei der blossen Intention sein Bewenden 
gehabt; jetzt dagegen war man zu einem ungleich deut- 
lichern und sprechcndern Ausdruck gelangt, indem die neu 
gewonnenen- Mittel eine bisher nicht bekannte Belebung der 
Köpfe und Geberden gestattetenle). 
Nach dem eben Gesagten leuchtet es übrigens ein, dass 4. 
dieser Schule ganze grosse Sphären künstlerischer Darstellung 
verschlossen bleiben mussten. Schon die Bezeichnung jedes 
kräftigen Handelns überhaupt lag ihr ferne und sie hat das 
dramatische Element, wozu die Kunst des XIII. Jahrhunderts 
einen nicht unbeträchtlichen Anlauf genommen, kaum irgend- 
wie weiter gebildet. Noch viel weniger gelangen ihr die Mo- 
mente der heftigern Leidenschaft und der Bosheit, und wo 
dergleichen, wie oben angedeutet, nicht zu umgehen War, da 
kam wie bei Fiesole ein oft sehr skurriles Zerrbild zum Vor- 
schein. Auch innerhalb derjenigen Gegenstände, welche 
diesen Malern mehr zusagten, war es nicht zu vermeiden, 
 Wir wollen hier die Vermuthung blos andeuten, dass die köl- 
nische Schule nicht als ein durchgängiger Ausdruck der Zeitstimmung 
anzusehen Sei, dass sielvielmehr ihrer Zeit als eine Minorität gegen- 
über gestanden habe, ähnlich wie die damalige Mystik, mit Welcher 
sie vielleicht in einem engen, selbst lokalen Zusammenhange stand. 
Nicht lange nach 1400 hatte in Italien und den Niederlanden schon 
überall der Realismus in der Malerei das Feld gewonnen, vor wel- 
chem die altkölnische Schule in der Folge wie ein Hauch zerstiebt.
        

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