Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161710
260 
Buch II. 
Mittelalter. 
Der Norden. 
Gothischer Styl. 
geistigen Auffassungsweise. Diese geht von vorn herein 
auf die Bezeichnung der seligen, paradiesischen Ruhe hei- 
 liger Personen aus, wozu sie hauptsächlich des Ausdruckes 
kindlicher Unschuld und Reinheit, Weniger aber des indivi- 
duellen Charakters bedarf; auch die Schönheit ist für sie 
wesentlich nur Mittel, und lange nicht so sehr Formenprineip 
wie bei den alten Nürnbergern. S0 bildet die Kölner Schule 
vor allem eine der höchsten sittlichen Erscheinungen in 
der Kunstgeschichte. Aus ihren Gestalten spricht eine lautere 
Seele, welche mit dem höchsten Gesetz in ungctrübtem Ein- 
klange lebt; da ist keine Spur von irgend welcher Unruhe 
des Gemüthes, von Sehnsucht oder Schwärmerei, alles ist 
uranfäinglieher, ungestörter, heiliger Friede. Süssigkeit und 
Holdseligkeit, kindliche Heiterkeit und Anmuth haben sich 
nirgends so durchgängig und anhaltend als herrschende 
Richtung geltend gemacht, wie hier. Das Dämonische, das 
Gemeine, wie es in Leben und Geschichte auftritt, ist zwar 
diesen Malern an sich nicht völlig fremd, allein sie halten 
es fern und getrennt von dem heiligen Bezirk, in welchem 
ihr eigenthümliehes Wollen und Streben sich bewegt. Wie 
im Gegensatz zu den wilden und stürmischen Zeiten, welche 
Köln damals durchlebte, haben sie sich in ihren Bildern ein 
Asyl gotterfüllter Ruhe geschaffen. 
2. Auch die Aeusserliehkeiten der Darstellung stehen mit 
dieser Auffassungsweise im Zusammenhang: die vielfach be- 
merkliche Unsicherheit und Verselnvoninienheit in der Be- 
,zeichnung der Formen, und das lichte Colorit, welches wie 
durch einen duftigen F lor die Gestalten in eine Visionäre 
Ferne rückt, sodass sie kaum irgendwo diejenige Körperlich- 
keit der Erscheinung gewinnen, wodurch sich die Nürnberger 
auszeichnen. Dabei zeigt sich gleichwohl die Technik der 
"Farbenbehandlung, die Weichheit des Auftrages in einer 
Vollendung, wie nirgend anderswo vor Einführung der Qel- 
malerei; auch ist die Modellirung durchgängig mit grösster 
Zartheit durchgeführt. 
3- Vielleicht kann man in der ganzen neuern Kunstge- 
schichte nirgends mit so vollem Rechte von Idealismus
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.