Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161690
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Buch II. 
Mittelalter. 
Der Norden. 
Gothischer Styl. 
schiedenheit; ja in mehrern Beziehungen, z. B. in der natur- 
gemässen Zeichnung der Augen, in der Heissigen Modellirung 
und vor allem in der überaus klaren Färbung zeigt sich hier 
und in andern nürnbergischen Bildern eine entschiedene 
Ueberlegenheit über die gleichzeitigen Nachfolger Giotto's, 
welche damals an der Spitze der italienischen Malerei stan- 
5. den.  Etwas später, vom Jahre 1385, ist der Tuchersche 
Hochaltar in der Frauenkirche. Das Mittelbild stellt. Christus 
am Kreuz, zu den Seiten die Verkündigung und die Auf- 
erstehung, die Flügel Christi Geburt und zwei Apostel dar, 
Alles auf damascirtem Goldgrund. Die Figuren sind etwas 
" gedrungen, stehen aber sonst den vorigen in keiner Weise 
nach und zeichnen sich  besonders die Maria am Fusse 
des Kreuzes und der Engel bei der Verkündigung  durch 
6. Schönheit und Lebendigkeit des Ausdruckes aus.  Der 
Volkamefsche Altar des heil. Theocarus im Chor von S. Lo- 
renz, vom Jahre 1406, woran blos die Flügel und die Altar- 
statfel (mit biblischen Vorgängen und mit der Legende des 
Heiligen) bemalt sind, das Innere aber aus Schnitzwerk be- 
steht, ist von keinem bedeutenden Künstler, allein wichtig 
als Beweis, das zu Anfang des XV. Jahrhunderts noch in 
allen Theilen die oben geschilderte Kunstweise in Aus- 
übung war; besonders fällt auch hier die_edle Bildung der 
7. Köpfe auf.  Vielleicht aus derselben Zeit ist der Haller- 
sehe Altar im Schiff von S. Sebald, dessen Mitt.elbild Wie- 
derum Christus am Kreuze zwischen den Seinigen darstellt, 
während die Flügel Christus am Oelberg, mehrere Heilige 
und die Stifter enthalten. Die letztern sind auffallend gut 
gezeichnet und sehr individuell; im Üebrigen stimmen diese 
Bilder mit den obigen in allen Vorzügen überein, nur dass 
die Verhältnisse etwas kurz, die Köpfe rundlich, die Extre- 
8. mitäten nachlässig ausgefallen sind.  In der Frauenkirche 
(erste Säule, links) befindet sich eine gemalte Gedächtniss- 
"tafel vom Jahre M50, welche als eines der spätesten gothi- 
sehen Denkmale Nürnbergs den Beweis liefert, Welche Schön- 
heit und Ausbildung dieser Styl damals erreicht hatte. Oben 
verehren Joseph und Maria das von einem Geldschein um-
        

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