Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161542
ä 
Frühgothische 
Tafelbilder. 
243 
beiden Seiten Engel mit Geige und Zither; ihre Flügel be- 
stehen aus Pfauenfedern. Durch einen jener lahantastischen 
Einfälle, wie sie sich im spätem Mittelalter oft durch die viel- 
fach erschütterte alte Typik Bahn brechen, ist Joseph hier 
zum Bettler mit Krücke und Wanderhut geworden. Wenn 
hier die Behandlung noch etwas roh und umrissartig ist, S0 
zeigen zwei spätere Bildchen, eine Verkündigung und eine 
Geburt Christi, auf welch merkwürdigen Abweg das damals 
noch neue Streben nach Modellirung führte, indem die Mitte 
der Körper und der Gewänder durchaus licht gehalten ist, 
Während gegen die Umrisse hin die Farbe immer dunkler 
und zuletzt beinahe schwarz wird. Zwei Fragmente von 4. 
grössern Bildern derselben Sammlung sind in ihrer Art treff- 
lich zu nennen: zwei Engel, die eine Monstranz halten, und 
eine Madonna mit dem Kinde, welches sich der h. Katharina 
verlobt. Die in genügender Grösse ausgeführten Köpfe zei- 
gen eine etwas volle, aber reine und edle Bildung und den 
Ausdruck einer milden Ruhe und Offenheit; es ist in ihnen, 
besonders in dem einen Engelskopfe des ersten Bildes, etwas 
rührend Klares und Unbefangenes, der Hauch jugendlicher 
Unschuld und Reinheit. Die Ausführung ist ungemein schlicht 
und lässt die dunkel gezeichneten Umrisse noch vorherrschen. 
 Eine aus der Umgegend von Paderborn stammende Tafel, 5_ 
wahrscheinlich vom ßinfang des XIV. Jahrhunderts, im Be- 
sitz des Oberregierungsrathes Bartels zu Aachen, verdient um 
ihres reichen symbolischen Inhaltes willen Erwähnung f). In 
der Mitte des Tempels Salomonis steht Maria auf dem Halb- 
mond, über ihr auf den Zinnen musicirende Engel; links die 
Verkündigung, rechts die Geburt, dann weiterhin auf beiden 
Seiten sechs Kirchenlehrer; unter diesen in besondern Räu- 
men allegorische Figuren, die Eigenschaften der Maria be- 
zeichnend. Zunächst der h. Jungfrau, auf Stufen, sieht man 
die Zwölf Löwen Salomds, mit Spruchbändern, welche je 
einen Apostelnamen und einen Artikel des Credo enthalten; 
sodann links Virgil als Prophet Christi unter den Heiden 
Passavant, 
im Kunstblatt, 
1841, 
100. 
1641
        

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