Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161530
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Buch II. 
Mittelalter. 
Der Norden. 
Gothischer Styl. 
Altarbilder dieser Gattung, worunter eines den Gekreuzigten 
mit stark auswärts gebogenem Leibe zwischen der hande- 
ringenden Maria und dem von stillerm Schmerz bewegten 
Johannes enthält; auf den Flügeln sieht man St. Stephan 
und St. Laurentius, oben in den Füllungen Engel mit Rauch- 
fässern. Hier herrscht die Linearzeichnung noch sehr vor, 
auch deutet die architektonische Einfassung auf eine frühe 
2. Zeit.  Andere sehr interessante Bilder findet man in Nürn- 
berg, dessen städtische Bedeutung überhaupt schon im 
XIII. Jahrhundert durch eine nicht unwichtige Kunstblüthe 
sich kenntlich machte. Die Iillügehnalereien am Elauptaltar 
der Jakobskircheäj sollen noch dem romanischen Style an- 
gehören und die Jahrzahl 1244 tragen; sie enthalten rechts 
die Verkündigung und die Krönung Mariä, links die Aufer- 
stehung und die Frauen am Grabe, darüber auf beiden Sei- 
ten je sechs Apostel und eine andere _Figur. Entschieden 
gothische Bilder finden sich vornehmlich in den beiden Haupt- 
kirchen S. Lorenz und S. Sebald. Auch die Frauenkirche, 
sowie namentlich die Gemäldegallerie auf der Burg zu Nürn- 
berg besitzen verschiedene Bilder der Art, zum Theil von 
mehr untergeordnetem Werthe; in den meisten jedoch zeigt. 
 sich bereits der Uebergang zu der spätern Weise der Nürn- 
berger Kunst und sie mögen desshalb passender dem näch- 
3. sten Abschnitt vorbehalten bleiben.  Das Museum von Ber- 
lin besitzt mehrere frühgothische Bildchen, worunter eines, 
vom Anfang des XIV. Jahrhunderts, auch durch seinen In- 
halt merkwürdig ist: unter einem Baldachin auf Goldgrund 
sitzen Joseph und lilaria auf einer Steinbank; indem er be- 
geistert zu ihr spricht, blickt sie schüchtern vor sich hin; zu 
ü) lvergl. R. v. Rettberg: Nürnberger Briefe, Hannov. 1846, 
S. 46.  Waagen, Kunstwerke und Künstler in Deutschland. 1., 
S. 264 setzt dieses Werk wenigstens in das XIII. Jahrhundert und 
führt u. a. die engen laalten und die Abwesenheit einer gewissen 
manierirhen, gewundenen Stellung, welche dem entwickeltem gothischen 
Styl eigen ist, als Zeugnisse hohen Alters an. Ein uraltes Tafelbild 
(Passionsscene auf Goldgrund) in der Klosterkirche zu Heilbronn (nach 
dems. Werke S. 310.)
        

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