Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161505
Tafelbilder. 
Der Niederrhein. 
239 
war zu einer ungleich genauern Durchbildung des Einzelnen 
genöthigt als die Wand- und Glasmalerei; sie musste sich nun 
bis zu einem gewissen Grade auf den Organismus des 
menschlichen Körpers, uf Schatten- und Lichtwirkung, auf 
eine modellirende Bezeichnung der Formen, endlich auf eine 
gewisse Durchführung in Physiognomie und Ausdruck ein- 
lassen, und als sie es so weit gebracht, wirkte diess auf jene 
beiden andern Gattungen um so unvermeidlicher zurück, da 
Tafelmaler, YVandmaler und Glasmaler in sehr vielen Fällen 
dieselbe Person sein mochten. Jedenfalls aber besass man 
schon im XIV. Jahrhundert an der Tafelmalerei eine Norm 
und Regel Dessen, was in der malerischen Ausführung über- 
haupt geleistet werden konnte, und jetzt durften auch die an- 
dern Gattungen nicht mehr bei der colorirten Linearzeich- 
nung stehen bleiben. 
WVeit wichtiger als diese äussern Ursachen und Verhält- 2.. 
nisse muss allerdings eine mit denselben parallel gehende 
Entwickelung im Leben der Nationen gewesen sein, deren 
vollständigere Wirkung wir in dem nächsten Abschnitt zu 
betrachten haben werden. Hier genügt es vor der Hand, sie 
neben jenen Veränderungen in den Aufgaben der Malerei 
als zweites und bedeutenleres Element genannt zu haben. 
Für die Tafelmalerei waren frühe schon die Gegenden 3,. 
des Niederrheins berühmt. Eine mehrfach angeführte Stelle 
aus dem zu Anfang des XIII. Jahrhunderts abgefassten Par- 
cival des Wolfram von Eschenbach führt Köln und M aestricht 
sprichwörtlich als Hauptorte für diese Kunstübung an: 
Es hätte kein Maler zu Köln oder Maestricht 
 S0 giebt die Aventiure Bericht  
Eine Kriegergestalt gemaltiso schön 
Als der Knapp zu Ross war anzusehnf). 
ü) Uebersetzung von San Marte, S. 121. Im Original steht hier 
für Maler: Schiltere, also Sehildermaler, Tafelmaler, im Gegensatz 
zum Wandmaler und Büchermaler. Auf die Arbeit des letzteren be- 
zieht sich die bekannte schöne Stelle im Nibelungenliede (Uebersetzung 
von Simrock, S. 54):
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.