Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161478
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Mittelalter. 
Buch U. 
Der Norden. 
Gothischer Stjrl. 
der Kirche zu Wimpfen im Thal, welche sich jetzt im Museum 
6. zu Darmstadt befinden.  Antiquarisch überaus wichtig 
sind die Fenster des nördlichen Seitenschifies im Strass- 
bilrger Münster, welche eine Reihe deutscher Könige von 
Pipin bis auf die Hohenstaufen in überlebensgrossen Figuren 
und als sinnvollen Abschluss die dem Christuskinde huldigen- 
den Könige des Morgenlandes enthalten. Die deutschen 
Könige, sämmtlich in ruhiger, sogar starrer Haltung, sind 
durch Inschriften in den Nimbexi, Welche ihre Iläiupter um- 
geben, namentlich bezeichnet und Wenigstens theilweise ge- 
wiss nicht ohne alle Bildnissähnlichkeit. Ihre Trachten zei- 
gen das offenbare Streben nach Genauigkeit, sodass z. B. für 
die Säume die mühseligste Mosaikarbeit aufgewandt wurde. 
Der Styl ist zwar gothisch, aber von grösster, architektoni- 
scher Strenge, die Gewänder ängstlich und schwunglos, die 
Stellungen ohne Leben. Tlvahrscheinlich stammen diese Ar- 
beiten wie das Gebäude selbst aus den letzten Zeiten des- 
XIII. Jahrhunderts. Die übrigen Glasgemalde dieser Kirche 
sind meist ohne höhern YVerth und willkürlich in Zeichnung 
und Farbe. Im Querschid bemerkt man in einem der obern 
Fenster einen ungeheuern St. Christoph in teppichartigein 
Gewande, der vielleicht noch älter ist als die Königsbilder. 
Einzelne gute Gestalten des entwickeltem gothisehen Styles 
enthalten die Seitenkapellen der Nebenschiffe zunächst dem 
Querbauü); ähnliche finden sich auch in der Thomaskirche 
7. derselben Stadt.  Die Fenster des Ghores im Dom zu 
Köln, welche, wie die dortigen Wandgemälde, um die Zeit 
der Einweihung (1322) gefertigt sein mögen, machen bekannt- 
lich durch die höchste Pracht, die intensivste Gluth der Far- 
ben einen durehaus'überwältigenden Eindruck, und befriedi- 
gen als Füllung der grossen, majestätisch aufstrebenden Bau- 
massen das architektonisch-decorative Gefühl vollkommen. 
 Diese, hauptsächlich die der 1331 begonnenen Katharinen- 
kapelle, dürften das Werk jenes Johann von Kirchheim sein, welcher 
in einer Urk. von 1348 als pictor vitrorum in ecclesia argentinensi 
genannt wird. Vgl. H. Schreiber, das Münster zu Strasburg, 2. Aufl. 
Tßxtheft, S. 69. Diejenigen im Schiffe scheinen eher älter.
        

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