Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161438
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Buch II. 
Mittelalter. 
Der Norden. 
Gothischer Styl. 
6. thischen Typus entsprechen dürften.  Für die durchgängige- 
Bemalung der Gewölbe, welche im XIV. Jahrhundert bei 
grössern "gothischen Kirchen schon eine Seltenheit sein 
inochtele), giebt die Marienkirche zu Colberg in Pom- 
mern") ein Beispiel von auflallendem Reichthum. Erhalten 
(und in verhältnissmässig sehr gutem Zustande) sind hier die 
Fresken am Gewölbe des lldittelschiffs, welche in 32 grössern 
Feldern die in der üblichen Parallele zusammengestellten Ge- 
schichten des alten und des neuen Testamentes, und in 
40 kleinern Dreiecken theils singende und musicirende Engel, 
theils andere Figuren enthalten. Diese letztern scheinen ohne 
kirchlichen Bezug, mehr als allgemeine Belebung der archi- 
tektonischen GGWÖlbCfOTIII, als dekorative Versinnliehtmg der 
tragenden Kräfte derselben gemalt zu sein; eine für jene be- 
fangene Zeit sehr ausserordentliche Befreiung von dem reli- 
giösen Gedanken zu Gunsten eines rein künstlerischen. Auch 
sind diese Nebenfiguren das Freiste und Lebendigste an dem 
ganzen Werke, während die übrigen Gemälde, besonders die 
der grössern Felder, die hergebrachten Typen des XIV. J ahr- 
hunderts nur in troekner, mittelmässiger WVeise, ohne Lebens- 
gefühl und individuell poetische Auffassung wiederholen. Die 
Behandlung besteht, wie damals überall, in einfach colorirter 
7. Linearzeichnung.  Aehnlichen Styl zeigen die Reste von 
Nlalereien am Chorbogen der Marienkirche zu Treptow 
8. an der Rega.  In der Katharinenkirche zu Lübeck 
befindet sich ein Wandgemälde aus der ersten Islälfte des 
XIV. Jahrhunderts, drei Bischöfe vorstellend von wenigstens 
9, handwerklicher Tüchtigkeit.  In eine sehr frühe Zeit des 
gothischcn Styles, vielleicht noch in deniAnfang des XIII. 
Jahrhunderts, gehörten die acht Fürstenbilder an den Pfeilern 
der Klosterkirche zu M emleb en an der Ünstrut, Welche 
jetzt so viel als gänzlich verschwunden sind fahl"). Es Waren 
9') Die Kirche von Ramersdorf ist romanisch, nur die Fresken ge- 
hören der gothischen Zeit an. 
im) S. Kugler, Pommersche Kmstgeschichte, S. 182 u. f. 
am) In nicht ganz genügenden Abbildungen erhalten bei L. Putt- 
rich: Denkmale der Baukunst des Mittelalters in der königl. preuss_
        

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