Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161396
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Buch H. 
Mittelalter. 
Der Norden. Gothischer Styl. 
Domes in überraschender Frische vor, haben aber seitdem 
durch den Zutritt der Luft gelitten. Die Gemälde bilden  
unter Baldachinen, auf Teppichgriinden  ansehnliche Cyclen 
bildlicher Darstellungen aus der Geschichte der Maria, der 
heil. drei Könige, des Papstes Silvester, u, a. m_ nebst Reihen 
kleinerer Figuren, alles in einem schon bedeutend entwickel- 
tern gothischen Styl; die Geberde ist theilweise zu freier 
Naivetät durchgedrungen; in den noch typisch gebildeten 
Köpfen verräth sich schon ein glückliches Streben nach 
Charakteristik und selbst nach momentanem Ausdruck. Die 
zum Theil grossartig geordneten Compositionen, welche den 
gleichzeitigen des Giotto nicht sehr ferne stehen, füllen wie- 
derum die schvsrierigen gegebenen Raume geschickt aus, wenn 
5. auch mehrfach in bedeutender Figurenfülle. Aehnlichen Styl 
zeigen die höchst. verdorbenen lllalereien der Aussenseite 
gegen den Chorumgang, welche in gleicher Höhe selbst um 
die aus Säulenbündeln bestehenden Chorpfeiler, zwischen 
denen die Brüstungswände angebracht sind, umhergeführt 
waren. Einzelne Farbenspuren finden sich überdiess an den 
Wänden mehrerer Kapellen des Chorumganges. 
1- ä. 63. iWenn man nun Fuglich annehmen darf, dass die 
meisten grössern Dome jener Zeit ein ähnliches System von 
Malereien besassen, so könnte es befremden, dass so wenig 
davon übrig geblieben ist, indem sich bis jetzt in keiner an- 
dern Kathedrale auch nur annäherungsweise eine entsprechende 
malerische Verzierung nachweisen lässt. Allein abgesehen 
von der ganz speciellen Feindschaft späterer Zeiten gegen 
die alten Wandbilder giebt schon die Technik z. B. der letzt- 
genannten Malereien im Kölner Dom einen beinahe genügen- 
den Aufschluss, indem die Farbe höchst unhaltbar ohne 
Weitere Grundirung auf den blossen Stein aufgetragen war. 
Nun wurde aber bei wichtigem Kirchen der gothischen Zeit 
so viel als möglich mit Quadern gebaut und das blosse Mauer- 
werk, auf welchem die Farben viel besser hafteten, geflissent- 
lich vermieden, sodass die meisten Malereien unhaltbar und 
vergänglich ausfielen. In mehr als einem Falle musste noch 
in den letzten Zeiten des Mittelalters durch Üebermalungen
        

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