Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161372
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Buch II. Mittelalter. Der Norden. 
Gothischcr Styl. 
gemz. 
in Parallele gesetzt mit der zweiten, nämlich der Erlösung; 
doch überwog ohne Zweifel die Absicht, den Herrn aller 
Dinge am letzten Abschluss der ganzen Bilderreihe in gross- 
7- artiger Weise vorzuführen.  Die Behandlung ist durchweg 
leicht und beinahe skizzenhaft, die Atlffassung der Menschen- 
gestalt ziemlich conventionell und auf das Lange und Magere ge- 
richtet; von genauerer Durchbildung ist überhaupt keine Rede. 
Dagegen zeugt, wie in so manchen Arbeiten dieser Periode, 
das feine Oval der Köpfe, der Ausdruck in den Geberden, 
und ganz besonders die Gesammttimrisse der Körper von 
lebendigem Sinn für Schönheit und Anmuth. Die schwebende 
Haltung mancher Gestalten, die Innigkeit der Flehenden und 
Anbetenden, der freie Schwung in den Gewändern,  die 
leichte, hingeworfene Ausführung selbst verliehen diesen Ma- 
lereien einen Reiz, welcher den Werken einer entwickeltem 
Zeit nicht selten abgeht. 
1. ä. 62. Einen ähnlichen, vielleicht in gewissen Einzel- 
heiten mehr durchgebildeten Styl zeigt die sehr umfassende 
malerische Dekoration im Chor-des D 0m es zu Köln, welche 
meist um die Zeit der Einweihung desselben (1322) entstan-- 
den sein mag. Fast alle Flächen, die sich im Innern des 
Gebäudes zu bildlichem Schmuck eigneten, sind auch dazu 
benützt worden, und wenn irgend ein Gebäude einen Beweis- 
giebt, wie viel Farbe und Formen auch das spätere Mittel- 
alter in seinen Kirchen nicht bloss vertrug, sondern verlangte, 
so ist es dieses, obschon das Meiste von diesen Malereien 
nur noch in schwachen Üeberresten vorhanden und desshalb 
Vieles in den letzten Jahren neu gemalt ist. Allein mit Aus- 
nahme der Glasgemälde (wovon unten), welche überhaupt 
nur im Einklang mit dem Gebäude selbst ihre Pracht in 
vollstem Masse entwickeln konnten, hat sich die Architektur 
gegen die Malerei fast als eine harte Herrin bewiesen. Weit 
entfernt, ihr eine bedeutendere Wandfläche etwa absichtlich 
zu schaffen, hat sie selbst die wenigen Flächen, welche dem 
architektonischen Princip unbeschadet hätten glatt bleiben 
können, streng durch Stabwerk gegliedert. Die Malerei fügte 
sich und erkannte ihre Aufgabe darin, zur Harmonie des
        

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