Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161314
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Buch II. 
Mittelalter. 
Der Norden. 
Gofhjscher Styl. 
Werke ausser einer (kleinen) Krönung der Maria bloss eine 
Darstellung des Gekreuzigten mit Maria, Johannes und dem 
Donator auf damascirtem Goldgrunde mit der Jahrzahl 1363; 
eine Kreuzabnahme in der (jetzigen) Kathedrale zu Brügge, 
ebenfalls auf Goldgrund, zeigt Ausdruck und scharfe sprechende 
Züge, namentlich in der schmerzvollen Maria. Die Behand- 
lung ist in diesen Bildern minder zart, die Umrisse derber, 
die Schatten etwas schwerer als in den gleichzeitigen kölnischen 
Gemälden; sonst zeigen sie den entwickeltem gothischen 
5. Styl in all seinen Eigenthürnlichkeiten.  Auch hier weisen 
uns die Miniaturen den sichersten Weg. Auf merkwürdige 
Weise offenbart sich darin eine Vorahnung der realistischen 
Kunst des XV. Jahrhunderts; diese Arbeiten unterscheiden 
sich nämlich von den französischen, mit welchen sie auf einem 
und demselben Boden stehen, durch ein deutliches Streben 
zum Individualisiren, durch grössere Naturwahrheit, bedeuten- 
dern Reichthum an launigen Erlindungen, sorgfältigere Schat- 
tenangabe und frischere mannigfaltigere Farben ü). Das älteste 
datirte Beispiel ist eine Vulgzita in der Bibliothek des Semi- 
nars zu Lüttich von 1248. Ein Psalterium der Bibliotheque 
des Ducs de Bourgogne zu Brüssel, um 1300 illuminirt, ge- 
hört hieher; desgleichen die nur hier und da illuminirten 
Federzeichnungen zu einer französischen Geschichte Alexan- 
ders des Grossen ebendaselbst und die Miniaturen des Michi el 
van der Bolrch (zu einer Bibel in flamändischen Reimen) 
im Westrenischen Museum im Haag (1332); wahrscheinlich 
auch das im Jahre 1350 von dem Miniator Nicolaus Flamel 
ausgemalte Livre des merveilles du monde, u. a. Werke mehr, 
von welchen wir keine nähere Kunde haben"). Eine neue 
noch bedeutendere Fortbildung des gothischen Styles in den 
niederländischen Miniaturen seit der zweiten Hälfte des XIV. 
Jahrhunderts versparen wir auf den Schluss dieses Abschnittes. 
1, g. 61. In Bezug auf Deutschland endlich entsteht 
die Frage, ob der gothische Styl in der Malerei theilweise 
ü) Waagen a. a. O. III, S. 307. 
H) VgL Raghgeber a_ a" 0, S. 28, und Waagen Handbuch der 
deutschen und niederl. Malerschule. I. 39.
        

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