Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161210
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Buah II. 
Der Norden. 
Mittelalter. 
G othischer Styl. 
tungen durchdringt und sich (was uns zunächst interessirt) 
sowohl in den zahlreichen Erzeugnissen einer selbständigen 
volksthümlichen Poesie, als insbesondere in dem Hervortreten 
eines neuen, des sogenannten gothischen Baustyles ankündigt. 
Mit letzterem steht der Styl dieser neuen Richtung der Ma- 
lerei im nächsten Einklange; er zeigt in dem typisch wieder- 
kehrenden Gesetz seiner Formenbildung ein ähnliches F or- 
inengefühl, wie sich in dem Charakter dieser gleichzeitigen 
Bauweise ausspricht. Denn im Allgemeinen ist auch hier zu 
bemerken, dass die malerische Darstellung dieser Periode in 
Bezug auf höhere Belebung, Individualisirung, Naturwahrheit 
ebenfalls noch eine untergeordnete Stufe einnimmt, dass der- 
gleichen wenigstens in grösserm Maasse nur bei den späte- 
sten Werken dieses Styles, gegen das Ende des XIV. Jahr- 
hunderts sichtbar wird und dass statt dieser höhern Eigen- 
schaften eben mehr das Gesetz einer architektonischen Sym- 
metrie vorherrseht. Der hierarchische Geist als Sieger der 
Welt suchte und fand damals seinen künstlerischen Gesammt- 
ausdruck in riesigen Kathedralen. Sculptur und Malerei 
mochten hier ihren höchsten Glanz entfalten, aber ihr Ver- 
hältniss zur Baukunst war das der vollständigsten Dienstbar- 
keit; es galt viel mehr einen Beitrag zum Ganzen, als eine 
Entwickelung ihrer eigenen, innern Antriebe. Billiger WVeise 
mag man diess Verhältniss auch in der Benennung des be- 
treffenden Styles ausdrücken. 
„Statt des altüblichen "gothiseh" war in neuerer Zeit die 
Bezeichnung „germanis ch er S ty l" aufgekommen und auch 
von mir in der frühern Ausgabe dieses Werkes gebraucht 
worden. Ich habe davon wieder abgehen zu müssen geglaubt, 
da auch dieser Name zu irrthürnlicher Auflassung Anlass ge- 
geben hat. Allerdings ist das germanische Volkselement an 
der Ausbildung des gothischen Styles betheiligt, doch nicht 
mehr wie an der des romanischen Styles, und das reinste ger- 
manische Volksthum, z. B. das deutsche, jedenfalls in weit ge- 
ringerem Maasse, Während die höchst umfassenden Anfänge des 
gothischen Styles einer Nation gemischten Ursprungs, der nord- 
französischen angehören. Beide Bezeichnungen, romanisch und
        

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