Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161170
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Buch II. 
Mittelalter. 
Der Norden. 
Romanim 
Äh er Styl. 
ä- 55 
fa-chsten, mit den Umrissen und mit wenig gebrochenen Far- 
ben begnügte, so mussten ihr auch in den Ifiguren dieser 
Fenster die Hauptlinien und die einfachen Farben hinreichend 
erscheinen. Anfangs mögen die einzelnen Glasstücke klein 
und die Bleifassung ziemlich roh gewesen sein, denn noch 
zwei Jahrhunderte später ist die Technik in diesen Bezie- 
4. hungen wenig ausgebildet.  Jedenfalls muss der entschei- 
dende Schritt zur figürlichen Darstellung schon ins XI. Jahr- 
hundert fallen. Zu diesem Schluss berechtigt uns die Reihe 
von grossen historischen Glasgernälden, Welche der Abt 
Suger um die Mitte des XII. Jahrhunderts in der 
neuerbauten Kirche von St. Denis durch herberufene Künst- 
ler verschiedener Nationen ausführen liess, ein Unterneh- 
men, Welches lange und sichere Üebung voraussetzt. Von 
 zweien dieser Fenster giebt er in der oben erwähnten 
Schrift den Inhalt an; sie enthielten in verschiedenen Ab- 
theilungen alttestamentliche Ereignisse mit symbolischen 
Bezügen auf neutestamentliche; irgendwo sah man auch 
Paulus, welcher eine Mühle in Bewegung setzte, während 
die Propheten Kornsäcke herbeitrugen. In den wenigen 
erhaltenen Üeberresten sind die Figuren unbeholfen und 
fehlerhaft in der Zeichnung und erinnern an die Tapisserie 
de Bayeux, dagegen ist das Ornament vorzüglich. Andere 
Fenster dieser Kirche, welche die Thaten der Kreuzfahrer, 
die Eroberung von Nicäa, Jerusalem u. a. m. darstellten, 
sollen ebenfalls aus der Zeit Sugers gewesen sein. Ein be- 
sonderer Meister führte die Aufsicht über diese Prachtarbeiten, 
welche in der That noch alles Bisherige überbieten mochten. 
5, Fast von gleichem Alter sind vier Fenster der Kathedrale 
von Bourges.  Kurze Zeit nach Suger sahen sich die 
strengen Cistercienser schon zur Polemik gegen die ein- 
reissende Ifensterpracht bewogen. 
6. Von deutschen Werken romanischen Styls sind noch die 
Glasmalereien im Augsburger Dome vorhanden, welche die 
südlichen Fenster des Mittelschiffes ausfüllen und Gestalten 
von Heiligen darstellen. Ein höherer Aufschwung in dieser 
Gattung konnte erst im folgenden Jahrhundert eintreten, als
        

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