Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161165
Email. 
Glasmalerei. 
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mitteln lässt, wie lange man schon die Anfänge derselben, 
z. B. ein decoratives Spiel in der Zusammensetzung der 
Scheiben, diese oder jene bunte Farbe u. dgl. gekannt und 
benützt haben mag, bevor man das Geheimniss sämmtlicher 
Wißhfigern Farben besass und es auf Figuren Lund ganze 
Compositionen anwandte. Einzelne Glasfarben waren viel- 
leicht noch aus römischer Zeit her im Gebrauche, und wir 
erfahren z. B. aus Anastasius, dass unter Papst Leo III. (um 
800) die Chornische des Laterans Fenster von buntem Glase 
erhielt, in einer Zeit, wo jedenfalls noch an keine Glasmalerei 
zu denken istäi. Die älteste Urkunde, welche gewöhnlich 2- 
auf letztere bezogen wird, ein Brief des Abtes Gozpert von 
Tegernsee (983_lOOl) an einen Grafen Arnold, Worin diesem 
dafür gedankt wird, dass er die bisher nur mit Vorhängen 
geschlossenen Fenster der Klosterkirche mit buntgemalten 
Scheiben (discolorum picturarum vitra) habe versehen lassen, 
 beweist strenge genommen nach dem damaligen Sprach- 
gebrauch nur die Buntfarbigkeit; ebenso fällt ein anderes 
Zeugniss, dasjenige des Theophilus Presbyter, welcher die 
Bereitung der verschiedenen Gläser beschreibt, dahin, seitdem 
dieser Schriftsteller aus dem IX. oder X. Jahrhundert in den 
Anfang des XIII. verwiesen worden ist. Gleichwohl behält 3. 
jener ebengenannte Brief in Verbindung mit einigen andern 
Urkunden eine grosse WVichtigkeit. YVir erfahren, dass der- 
selbe Abt Gozpert, ohne Zweifel durch das Geschenk Arnolds 
angeregt, bei Tegernsee eine Glashütte errichtete, welche bald 
auch auswärtigen Bestellungen zu genügen hatte;  höchst 
wahrscheinlich wurden nun auch hier Gläser von verschiede- 
nen Farben verfertigt, und von da war der Uebergang zu 
einem mehr oder weniger vollständigen Glasmosaik nicht mehr 
schwierig. WVie jene Zeit sich in der Malerei mit dem Ein- 
a?) Emäric-David a. a. O. nimmt ohne Weiteres an, die Fenster 
der Kirchen hätten schon im X. Jahrhundert durchgängig gefärbtes 
Glas gehabt, was wir dahin gestellt sein lassen. Eine ebeudort an- 
geführte Stelle aus der (1052 abgefassten) Chronik von St. Beuigne in 
Dijon, welche ein Glasgemälde mit dem Martyrium der h. Paschasia. 
318 uralt erwähnt, scheint spätere lnterpolation zu sein.
        

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